Im Herzen des Amazonas â unterwegs im Anavilhanas-Nationalpark
Wir grĂŒĂen euch zurĂŒck aus dem Herzen des Amazonas aus Novo Airao. Dieser Ort liegt 225 km nördlich von Manaus. Hier buchen wir eine Tour durch den Anavilhanas Nationalpark. Schon bald gleiten wir mit dem Boot ĂŒber das dunkle Wasser des Rio Negro, umgeben von einer unendlichen Weite aus GrĂŒn. Der Anavilhanas-Nationalpark entfaltet sich vor uns wie ein Labyrinth aus mehr als 400 Inseln â eines der gröĂten Flussarchipele der Welt. Ăberall spiegeln sich Himmel und Wald im schwarzen Wasser, bisher haben wir einen solchen schwarzen Fluss noch nicht gesehen.
Zwischen den Inseln entdecken wir unzÀhlige Vögel, Reiher, bunte Aras und Schlangenhalsvögel.
Mit etwas GlĂŒck huscht auch ein rosa Delfin durch die Wellen â der legendĂ€re Boto, Symbol des Amazonas. In den ĂŒberfluteten WĂ€ldern, den âIgapĂłsâ, gleiten wir lautlos durch die schmalen KanĂ€le. Wir können sogar auf einer Insel an Land gehen und eine Runde durch den Wald wandern. Das Sonnenlicht fĂ€llt gefiltert durch das dichte BlĂ€tterdach, und die Luft riecht nach feuchtem Holz und Leben.
Wir staunen und erschrecken zugleich, dass auch hier in einem Schutzgebiet der Holz Raub stattfindet. AbgesĂ€gte riesige BaumstĂŒmpfe zeugen davon.
In kleinen Gemeinschaften entlang des Flusses erzĂ€hlen uns die Bewohner von ihrem Alltag â vom Fischen, von Heilpflanzen und vom Respekt vor dem Wasser, das alles bestimmt.
Der Anavilhanas-Nationalpark ist mehr als ein Naturwunder â er ist ein stiller Beweis fĂŒr die Kraft und Schönheit des Amazonas, zumindest in diesem Abschnitt, dass es unbedingt zu schĂŒtzen gilt.
Wir dĂŒrfen dies erleben.













Das besondere Leben im Fluss
Hier, wo der Dschungel bis ans Wasser reicht und das Leben langsamer flieĂt, liegt eine ganz besondere Auffangstation fĂŒr Flussdelfine, die âBotos Vermelhosâ, die rosa Delfine des Amazonas.
Leise gleiten sie durch das dunkle Wasser, neugierig, verspielt, fast magisch. Einige von ihnen wurden verletzt oder verwaist aufgefunden und hierhergebracht, um gepflegt, gefĂŒttert und behutsam wieder an die Freiheit gewöhnt zu werden. Doch im Moment sind 5 Delfine in der Station, die nicht mehr selbstĂ€ndig in Freiheit leben können, denn ihre Schnauze und Melone (Stirn) ist irreparabel verletzt. Die Station kĂŒmmert sich um ihr Wohl, beobachtet ihr Verhalten und schĂŒtzt sie vor den Gefahren des Bootverkehrs und der Verschmutzung des Flusses.
Wir dĂŒrfen am Rand sitzen und schon erleben wir die besondere Begegnung mit den Flussdelfinen von Novo Airao.
Plötzlich stupst uns etwas an den FĂŒĂen die im Waser baumeln, hungrige Flussdelfine tauchen auf um Futter zu erhaschen. Die Betreuerin hat frischen Fisch, sanfte Worte und viel Geduld. FĂŒr diese Leibspeise springen sie sogar bis zum Bauch aus der WasseroberflĂ€che um den Happen zu erhaschen Sie bekommen nur 30% Futter eines Tages, den Rest mĂŒssen sie selbst erbeuten. Wenn ein Delfin auftaucht, glitzert keine Haut im Sonnenlicht â diese Delfine sind durch den hohen SĂ€uregehalt des Rio Negro mehr grau geworden und haben keine Möglichkeit im Amazonas zu schwimmen.
Doch die Station ist mehr als ein Ort der Pflege: Sie ist ein Zeichen des Respekts vor der Natur. Hier wird uns bestĂ€tigt, wie empfindlich das Gleichgewicht des Amazonas ist â und wie eng das Schicksal der Tiere mit dem der Menschen verbunden bleibt.



Manaus â Eine GroĂstadt im Herzen des Amazonas
Wir stehen mitten in Manaus, der tropischen Metropole am Amazonas. Die Hitze flimmert ĂŒber den StraĂen, und ĂŒberall mischt sich der Duft von Regenwald, Fluss und StraĂen Leben. Zwischen den modernen HochhĂ€usern blitzen noch immer die alten kolonialen Fassaden hervor â stumme Zeugen aus der Zeit des Kautschukbooms, als Manaus Anfang des 20. Jahrhunderts zu den reichsten StĂ€dten der Welt gehörte. Und immer wieder wandert unser Blick in den Himmel. Es brauen sich schwarze Wolken zusammen und schon erklingt das Donnergrollen. Kaum haben wir den gedeckten Marktplatz erreicht, rauschen die SturzbĂ€che herunter. Als nach 11/2 Stunden immer noch kein Ende in Sicht ist entscheiden wir uns mit dem Uber zurĂŒckzufahren.





Am nĂ€chsten Tag bleibt unser Blick am prachtvollen Teatro Amazonas hĂ€ngen, der Geburtstagsausflug fĂŒr Andy, diesem rosafarbenen Juwel im Herzen der Stadt. Das Opernhaus mit seiner vergoldeten Kuppel die französischen Glasanteilen mit rot und blau verziert hat als freundschaftliche Geste zu Frankreich und der Brasilianischen Flagge mit Fliesen in der Kuppel integriert. Wir schreiten aufglĂ€nzendem Marmorboden, das im Inneren fast surreal inmitten des tropischen Dschungels wirkt. Hier traten einst europĂ€ische KĂŒnstler auf, wĂ€hrend drauĂen der Urwald rauschte. Wir erleben eine Probe und können uns das damalige Leben hier recht gut vorstellen. Es ist schon beeindruckend, dass im Kautschukboom so viel Reichtum vorhanden war, dass Materialen wie Marmor, Glas, Kronleuchter, Fliesen, SĂ€ulen sogar Eisenkonstruktionen aus Europa angeliefert wurde. Der Bau wurde 1884 begonnen und nach 12 Jahren beendet. Es sollte mit europĂ€ischen OpernhĂ€user konkurrieren. Die Musikproben gingen unter die Haut und wir fĂŒhlen uns auf dem Balkon trotz Stromausfall sehr wohl. Vor dem Theater finden wir ein Restaurant fĂŒr ein köstliches Geburtstagsessen mit Fischlasagne und Fischcurry. Wieder ein unvergesslicher Platz der sich neben New York, San Francisco und die Karibikinsel Caye Caulker als besonderer Geburtstagsort fĂŒr Andy einreiht.





Kein besonderer Anblick ist allerdings das Flussufer, denn hier zeigt sich eine andere Seite der Stadt. Am Ufer des Rio Negro treiben Plastikflaschen, Styropor und MĂŒll â einen traurigen Kontrast zur Schönheit der Natur. Der mĂ€chtige Strom, der hier den Dschungel nĂ€hrt, trĂ€gt nun auch die Spuren der modernen Zivilisation davon. FĂŒr uns schmerzhaft anzusehen mit der Gewissheit, es landet irgendwann im Atlantik.
Trotzdem spĂŒren wir in Manaus diesen besonderen Rhythmus: das Leben pulsiert ĂŒberall. Auf den MĂ€rkten und StraĂen stapeln sich tropische FrĂŒchte, bunte Boote schaukeln an den Docks, und zwischen den alten KolonialgebĂ€uden erzĂ€hlen HĂ€ndler Geschichten von Regenzeit, Fischen und Abenteuern auf dem Amazonas.
Manaus ist widersprĂŒchlich, lebendig und faszinierend â eine Stadt zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Glanz und Verfall, zwischen Dschungel und Weltstadt. Und genau das macht sie so einzigartig. Und wir mittendrin mit ebenso diesen widersprĂŒchlichen GefĂŒhlen.
Am Hafen finden wir eine TicketverkĂ€uferin und ergattern den letzten Platz fĂŒr eine FĂ€hre nach Santarem, nur 2 Tage spĂ€ter.



Mit der FÀhre auf dem Amazonas nach Santarém
Wir sind auf der FĂ€hre, schon das rĂŒckwĂ€rts hinaufjonglieren ist abenteuerlich und eine beeindruckende Leistung von Andy, ich bin voller Respekt. Dazu gleich drei Einweiser, die nur selten in dieselbe Richtung zeigen. Doch letztendlich hat es geklappt, wir stehen und mĂŒssen nur noch darauf achten, dass sie uns mit parkenden Fahrzeugen nicht einsperren. Um 12:00 Uhr geht es dann los.




Langsam gleitet unser Schiff durch das schwarze Wasser des Rio Negro. Dann kommt fĂŒr uns ein zweites Mal und noch spektakulĂ€rer das ZusammenfĂŒhren der zwei FlĂŒsse und wir erleben es mit bestem Licht und kontrastreich. Das schwarze Wasser des Rio Negro gleitet erst getrennt wie eine Linie mit dem braunen Wasser des mĂ€chtigen Amazonas nebeneinander her, bis es sich dann in Wellenlinien vermischt. Dieses Mal wirkt es wie ein Ălleck direkt unter uns.
Die Sonne steht tief, taucht den Fluss in goldenes Licht, und vom Deck aus beobachten wir, wie grĂŒne WĂ€nde aus Urwald am Horizont vorbeiziehen. Wir sind unterwegs nach SantarĂ©m â eine Reise, die weniger Ziel als Erlebnis ist.




Zwischen HĂ€ngematten, Fracht und Familien, die ganze Lebensgeschichten in Plastiktaschen dabeihaben, schaukeln wir durch die tropische Hitze. Der Wind bringt Erleichterung, der Motor brummt gleichmĂ€Ăig, und das Schiff wird zu einer kleinen schwimmenden Welt. Kinder spielen zwischen dem bunten GepĂ€ck, jemand verkauft Kaffee in winzigen Bechern, und von irgendwoher erklingt Musik.

Nachts funkeln die Sterne ĂŒber uns, wĂ€hrend das Wasser geheimnisvoll glitzert. Der Amazonas wirkt endlos â ein Fluss, der gleichzeitig StraĂe, Lebensader und Abenteuer ist.
Mitten in der Nacht kommen wir in Santarem an und parken nur noch am Hafen um noch Schlaf nachzuholen.
Diese Fahrt ist mehr als eine Reise- sie ist ein StĂŒck Leben auf dem wasserreichsten Fluss der Erde.



Am TapajĂłs â wo der Amazonas karibisch wird
Wir stehen am Ufer des TapajĂłs, in Ilha de Maguari und kaum zu glauben: Das Wasser glitzert tĂŒrkisblau bis grĂŒn wie in der Karibik. Feiner, weiĂer Sand rieselt durch unsere Zehen, Palmen neigen sich leicht im Wind, und die Wellen plĂ€tschern leise ans Ufer. Schattige PlĂ€tze finden wir unter Palmendachpavillons.
Wir sind mitten im Amazonasgebiet â und doch fĂŒhlt sich alles nach Strandurlaub an.




Weiter mit karibischem Feeling
Mit unserer Emma fahren wir weiter in den TapajĂłs-Nationalpark, ein verborgenes Paradies zwischen Dschungel und Fluss. Am Restaurant Casa do Elton in der Community Maguari dĂŒrfen wir im Nationalpark fĂŒr einige Tage campieren.



Wir sind gespannt auf diesen Wald, möchten hineinschnuppern und buchen eine 15km Tour zu den gröĂten BĂ€umen in dieser Gegend. Die Luft riecht nach feuchtem Holz und BlĂŒten, allerlei Vögel rufen in der Ferne und wir entdecken so manches kleine, interessante Insekt, darunter eine goldene Vogelspinne mit gelbgezeichneten Beinen und einen Bienenstock winziger gelber Majabienen die nicht stechen. Auf den schmalen Pfaden begegnen wir uralte KopakbĂ€ume, manche so mĂ€chtig, dass mehrere Menschen sie nicht umarmen können. In der Ferne hören wir das Grollen des Donners und 5 km vor unserem Ziel bricht es los. Gerade noch rechtzeitig können wir unsere Kameras im Rucksack verstauen, Regenjacken hervorzerren und schon bricht der Himmel ĂŒber uns auf. Gewaltige Wassermassen ĂŒberschĂŒtten uns und innerhalb kĂŒrzester Zeit sind wir bis auf die Unterhosen nass. Die kleinen Wanderpfade verwandeln sich in strömende BĂ€che. Kurz vor dem Ziel hört der Wolkenbruch auf und ein paar flinke und kleine TotenkopfĂ€ffchen springen wie Artisten ĂŒber unsere Köpfe hinweg.
Die erste Affensichtung seit Panama. Juhu, doch da die Kameras regensicher verstaut sind, mĂŒsst ihr sie euch denken.







Im klaren Wasser spiegeln sich die grĂŒnen Ufer, und wir tauchen ein â erfrischend, sauber und grĂŒnlich glitzert es an der WasseroberflĂ€che. Hunderte kleine Frösche springen uns entgegen oder auf die Seite und wieder fĂŒhlen wir uns fast wie in der Karibik. Nur der Duft des SĂŒĂwasserflusses und Geschmack des Wassers beweist uns, wir sind an einem Fluss der eine Weite wie das Meer hat. Doch erst der zweite Versuch mit dem Boot ĂŒberzusetzen hat geklappt. Beim ersten Mal hat uns der tropische Regen eingeholt. Doch nun stehen wir auf einem weiĂen Sandstrand auf der Halbinsel und das Wasser hebt sich bei Sonnenschein tĂŒrkis hervor. Wir genieĂen den Strand die PalmhĂ€uschen und spazieren im weiĂen Sand am Ufer entlang. Ein herrlicher Start in den Tag.





Ein freudiges Wiedersehen
Wir kehren zurĂŒck nach Pindobal, denn dieser paradiesische Platz hat uns gut gefallen. Wir stehen im Schatten mit Blick auf den Dschungel ĂŒber uns. Die Nacht ist herrlich ruhig, nur am frĂŒhen Morgen schrecke ich auf. Ein ohrenbetĂ€ubendes GebrĂŒll dringt durch unsere geöffnete Dachluke. Ich habe das GefĂŒhl der BrĂŒllaffe kommt gleich herein, er ist direkt ĂŒber uns. Schaurig schön und sehr eindrĂŒcklich.
Mittlerweile hat uns die family everywhere eingeholt, unglaublich, drei Wochen haben sie kompensiert und wir fĂŒr ein Zusammentreffen deutlich die Reisegeschwindigkeit reduziert.
Nun genieĂen wir eine riesige Willkommensfreude in unserer Mitte.
Auch Sacha und Jeoren treffen wir zufĂ€llig wieder am selben Ort mit ihrem Sohn und seiner Freundin. Gemeinsam genieĂen wir unser bunt zusammengewĂŒrfeltes Essen am Abend, das Faultier ĂŒber uns und das GebrĂŒll der Affen im Hintergrund. Sacha und Jeoren reisen nun in einer anderen Richtung weiter. Wer weiĂ, wo und wann wir uns wieder treffen. Die Welt ist klein.
Am nĂ€chsten Tag wandern wir zu einem kleinen Paradies, unser âLonely Paradiesâ. Völlig unerwartet ohne Menschenmassen wie auf einer einsamen Insel.
Es entsteht ein Plan!


Darum buchen wir eine Tour zum Canal de Jari hauptsĂ€chlich um die Riesenseerosen âVictoria amazonicaâ zu sehen. Sie kann einen Durchmesser von 1-3m erreichen und 60-100kg tragen. Die Ăberfahrt ist abenteuerlich, die Wellen sind hoch es windet extrem und der Fluss gleicht einem Ozean. Wir werden ordentlich nass und so manches Mal sind wir dankbar darĂŒber nicht zu kippen. Um einem im Netz gefangenen Kormoran zu helfen geraten wir selbst in ein Fischernetz und Gil muss ordentlich zerren um die Motorschraube davon zu befreien. Wir treiben ab und sind etwas angespannt. Letztendlich hat er es geschafft und wir können am ersten Stopp anlegen.




Wir sind auf dem Affen und Faultier- Pfad und werden sogleich freudig begrĂŒĂt. Die vielen TotenkopfĂ€ffchen sind hungrig und neugierig. Sie springen auf uns herum, auch auf der Suche nach Bananen. Sie fĂŒhlen sich besonders weich an und sind sehr neugierig. So ein âHerr Nielssonâ springt ĂŒberraschend auf meine Schultern und untersucht meine Sonnenbrille. Plötzlich lĂ€sst er sich vor meinem Gesicht mit seinem Schwanz am Ast hĂ€ngend kopfĂŒber herunter. Das ist ein so lustiger Moment, dass wir alle loslachen und unsere BĂ€uche heben. TatsĂ€chlich leben in diesem Wald viele Faultiere, wir entdecken dank unserem Guide 6 verschiedene Faultiere.








Dann geht es auf dem schmalen Steg zurĂŒck aufs Boot. Hier eröffnen uns Ivana und Gil, dass der Wasserstand so niedrig ist, dass die Zufahrt zum Kanal der Seerosen gestern gesperrt wurde. Ein Motorboot ist festgesteckt und das war der Grund. Eigentlich buchten wir die Fahrt um die riesigen SeerosenblĂ€tter zu sehen, die wie grĂŒne Teller auf der WasseroberflĂ€che liegen. EnttĂ€uschung mischt sich mit zunehmendem VerstĂ€ndnis- die Natur bestimmt hier den Rhythmus, nicht wir.
Zum Abschluss ankern wir bei Sonnenuntergang auf einer Sandzunge. Der Himmel fĂ€rbt sich in Orange und das Wasser spiegelt die Farbe wie flĂŒssiges Glas und dazu Menschen, die scheinbar auf dem Wasser laufen. Wir genieĂen diesen Platz mit einer köstlichen Ananas in der Hand.




Und nun zu unserem Plan. Wir haben gemeinsam eine FĂ€hre gebucht und da diese erst in 5 Tagen fĂ€hrt passt das. Wir packen wieder einmal fĂŒr ein Lunch am Strand die Taschen und kehren an unserem einsamen Lieblingsstrand zurĂŒck. Dort finden wir einen schattigen Platz mit HĂ€ngematten eines geschlossenen Restaurants, leihen uns Tisch und StĂŒhle aus und genieĂen unser âLonely Paradiesâ mit jeder Menge Erfrischung vor der Nase. Die Bilder sprechen fĂŒr sich.






GrĂŒnes RĂ€tsel im TapajĂłs
Nun geht es weiter zur letzten Etappe unseres Aufenthaltes vor der Abreise nach Macapa. Gemeinsam haben wir in 4 Tagen die FĂ€hre gebucht.
Am Ponte de Piedras sitzen wir am Ufer des TapajĂłs und staunen. Das sonst tĂŒrkisblaue Wasser schimmert heute urplötzlich in einem intensiven GrĂŒn. Die Wellen plĂ€tschern an den Strand, als hĂ€tte jemand Farbe hineingegossen. Schon sehr abstrus, das haben wir noch nĂŹe erlebt. Wir schöpfen etwas Wasser in ein Glas â neugierig, was dahintersteckt.
Langsam klĂ€rt sich das RĂ€tsel: Es sind winzige Algen, die sich in der warmen Trockenzeit explosionsartig vermehren und dem Wasser diesen smaragdgrĂŒnen Ton geben. Heute ist das Wasser auch extrem warm und bietet keine richtige AbkĂŒhlung.
Der Geruch ist neutral, kein Hinweis auf FÀulnis, und nach einer Weile setzen sich kleine Partikel auf der OberflÀche des Wasserglases ab.
Dann sehen wir Fische aus dem Wasser springen und Delfine die nun in einer groĂen Gruppe ihr Abendessen jagen. Herrlich!
Mit der Drohne macht Eefke herrliche Aufnahmen. FĂŒr unsere kleine ist der Wind zu stark.
Wieder einmal zeigt uns der TapajĂłs einmal mehr, wie lebendig er ist â stĂ€ndig im Wandel, geheimnisvoll und wunderschön, selbst wenn er uns nur durch seine Farbe ĂŒberrascht.
Doch die Abholzung des Amazonas möchten wir auch erwĂ€hnen. Auch wenn der brasilianische PrĂ€sident Lula da Silva das Ziel ausgegeben hat, bis 2030 den Holzabbau auf 0% zu reduzieren fĂŒhlt sich seine Aussage wie eine Farce an. FĂŒr den Sojaanbau der aktuell in Brasilien speziell mit China als Exportmarkt floriert, den geplanten Autobahnen, Eisenbahnstrecken und der Agrarindustrie, sowie die hĂ€ufig auftretenden dicken Rauchschwaden ĂŒber dem Regenwald, die wir beobachten, wird weiter und weiter der wichtige Lebensraum fĂŒr Indigene Völker und die Tierwelt zurĂŒckgedrĂ€ngt. FĂŒr den Klimagipfel in Belem ist das wie ein Schlag ins Gesicht, denn tatsĂ€chlich wurde dafĂŒr eine vierspurige Autobahn durch den Amazonas gebaut, natĂŒrlich mit Waldrodung. Wir sind erschĂŒttert. Die Indigenen spĂŒren schon lange durch die KlimaĂ€nderung und dem stark sinkenden Wasserspiegel eine groĂe Not. Der Fluss und der Regenwald ist ihre Lebensader. Nun kĂ€mpfen sie ums Ăberleben und gegen jede weitere Abholzung. Vor zwei Jahren war der Wasserspiegel so niedrig, dass auch hunderte von Delfinen an Ăberhitzung des Wassers gestorben sind. Wann hört es endlich auf, dass nur das Geld die Welt regiert?








Langsam rollen wir rĂŒckwĂ€rts und Emma etwas schweratmig die schmale Rampe steil hinauf â oder besser gesagt: versuchen es. Der âEinstiegâ auf unsere kleine FĂ€hre ist wieder mal ein Abenteuer fĂŒr sich. Der Zugang ist so eng, dass wir durch einen schmalen Schlauch rĂŒckwĂ€rts manövrieren mĂŒssen. Zentimeterweise, mit angehaltenem Atem. Erst als endlich ein paar Paletten von Andy zur Seite geschafft werden, passt es fĂŒr unsere Emma. Einatmen, ausatmen â geschafft. Wir sind an Deck. Unsere FĂ€hre ist klein, viel kleiner, als wir es uns vorgestellt hatten. Es werden Kistenweise Fisch, SĂ€cke von Limonen, Trinkwasserflaschen, u.v.m. aufgeladen. Der Geruch von Fisch liegt in der Luft.
Das Wasser des Amazonas glitzert im Abendlicht, als wir SantarĂ©m langsam hinter uns lassen. Vor uns liegen 36 Stunden Fahrt â auf dem mĂ€chtigsten Fluss der Welt.
Schon in der ersten Nacht halten wir mitten auf dem Fluss. Die Motoren werden gedrosselt, Dunkelheit ringsum. Plötzlich wird es lebendig: Boote tauchen aus dem Nichts auf, im Scheinwerferlicht der FĂ€hre werden Melonen durch die Luft geworfen â von einem Boot auf unseres. Kisten mit Limonen rutschen auf improvisierten Holzrampen an Bord. Ein logistisches Schauspiel an Deck. Wir staunen, wie emsig hier gearbeitet wird.
Am nĂ€chsten Abend begleitet uns ein Schwarm Delfine. Sie tauchen auf, elegant und verspielt, als wĂŒrden sie uns begrĂŒĂen. Der Amazonas wirkt ruhig, doch wir wissen, wie gewaltig er ist â ein endloses Band aus braunem, pulsierendem Leben.
Nach eineinhalb Tagen naht MacapĂĄ mit dem FĂ€hrhafen Santana. Die Sonne brennt, das Wasser flirrt und dann folgt nochmals ein schwieriger Teil: die Ausfahrt.
Wieder einmal von einer schrĂ€gen Position auf die schmale Rampe. Nur wenige cm zum Rand. Trotz MĂŒdigkeit, es ist 5:00 Uhr. Doch mein hervorragender Fahrer Andy schafft es natĂŒrlich.
Und plötzlich die Ăberraschung â sie verlangen die höchste HafengebĂŒhr, doppelt so viel wie in Manaus! Wir bleiben ruhig, aber hartnĂ€ckig. Kein Meter weiter, bis wir den Chef am Handy haben. Minutenlanges Hin und Her, dann ein LĂ€cheln: Wir handeln einen akzeptablen Preis aus.
Erschöpft, verschwitzt â aber glĂŒcklich â öffnen sich die Tore und wir verlassen schlieĂlich das HafengelĂ€nde. Hinter uns liegen 36 Stunden voller Improvisation, Fischgeruch, Sternenlicht und Amazonasdelfine. Eine Fahrt, die uns zeigt, dass auf dem Amazonas nichts so lĂ€uft wie geplant â und gerade deshalb unvergesslich bleibt.









Wir verlassen MacapĂĄ nachdem wir unsere VorrĂ€te wieder aufgefĂŒllt haben.
Die StraĂe zieht sich abwechselnd mit roter Schotterpiste und grauem Asphalt durch Fragmente eines Regenwaldes. Wir spĂŒren sofort: Diese Strecke erzĂ€hlt uns die wahre Geschichteâ wir können es oft nicht ertragen und sind einfach nur traurig.
Schon nach wenigen Kilometern fahren wir an den ersten FlĂ€chen vorbei, die vom Feuer gezeichnet sind. Schwarze BaumstĂŒmpfe ragen wie Mahnmale aus dem Boden, schwarze FlĂ€chen mit noch oft kokelndem Gras und dem Geruch von verbrannter Erde liegt noch immer in der Luft. Wir rollen schweigend weiter, beobachten, wie die Landschaft versucht, sich zu erholen. Hier sehen wir die RealitĂ€t der Brandrodung aus nĂ€chster NĂ€he â ein bedrĂŒckender Anblick, der sich tief einprĂ€gt.
Kurz darauf verĂ€ndert sich das Bild schlagartig. Links und rechts der StraĂe stehen EukalyptusbĂ€ume, in Reih und Glied wie Soldaten. Perfekt ausgerichtet, fast unnatĂŒrlich gleichförmig. Wir wissen, dass sie schnell wachsen, extra fĂŒr die Abholzung angepflanzt werden, ein endloser Kreislauf von Pflanzung und Ernte. Der Wald wirkt geordnet, aber nicht lebendig â ein Kontrast, der uns nachdenklich macht.


Der Tag vergeht in einem Mix aus Fahrt, Staunen und Beobachten. Gegen Mittag erreichen wir Porto Grande, ein kleiner, ruhiger Ort am Fluss. Das Wasser schimmert im warmen Licht der untergehenden Sonne, die Hitze des Tages weicht einer angenehmen Brise. Einheimische erfreuen sich am kĂŒhlenden Nass. Wir parken, strecken uns und lassen die GerĂ€usche der Nacht langsam lauter werden â Grillen, WasserplĂ€tschern, Stimmen aus der Ferne.
Wir ĂŒbernachten hier, am Ufer, und wĂ€hrend wir im Dunkeln sitzen, spĂŒren wir wieder die Magie des Amazonas. Wie wohl die Generationen nach uns ihn erleben werden? Kann die Brandrodung gestoppt werden, werden die Gefahren der Monokulturen erkannt â die Natur wirkt unendlich, kraftvoll und doch verletzlich. Es ist die Lunge der Erde und schon sehr stark gefĂ€hrdet.
Wir fragen uns: können wir Menschen noch das Ruder herĂŒberreiĂen?
Am nĂ€chsten Morgen wollen wir weiter Richtung Grenze zu Französisch-Guyana. Aber jetzt genieĂen wir einfach diesen Moment am Fluss, mitten in der stillen Nacht von Porto Grande.



Bienvenue en France!
Spannend, nun fahren wir von SĂŒdamerika nach Europa, genauer gesagt nach Frankreich und das auf dem Landweg. Der GrenzĂŒbergang ist absolut problemlos. Wir zeigen nur unsere PĂ€sse und den Versicherungsschein von Emma, schon sind wir durch. Wie wir es halt von Europa kennen. Wir bezahlen mit Euro und unsere Sim-Karte vom Handy funktioniert auch. Es ist kaum zu glauben. Auch die SupermĂ€rkte bieten ein KĂ€seangebot, da fĂŒhlen wir uns fast wie kleine Könige in Frankreich. Was uns weiter erwartet, prĂ€sentieren wir euch im nĂ€chsten Blog. Es bleibt spannend: Kann uns die Werkstatt helfen? Treffen wir Papillion auf der GefĂ€ngnis-Insel? Entdecken wir mehr Tiere? Lasst euch ĂŒberraschen!
Doch nun wĂŒnschen wir euch erstmal eine besinnliche, schöne Vorweihnachtszeit und bewahrt eure positiven Gedanken und euere Zuversicht. Wir freuen uns darauf, von euch zu hören.

Deinen Bericht habe ich wieder mit angehaltenem Atem gelesen – so spannend, traurig und schön. Danke, liebe Michi, dass Du uns an Euren Abenteuern teilhaben lĂ€sst! Vielen liebe GrĂŒĂe, Claudia
Liebe Claudia,
Vielen Dank fĂŒr dein so schönes Feedback. Ich freue mich sehr darĂŒber, dass dir der Blogeintrag gefĂ€llt. Es geht weiter mit den kleinen LĂ€ndern die wir jetzt erst bewusst wahrnehmen,
wenn auch mit ein paar HĂŒrden. NĂ€heres dann im nĂ€chsten Blog.Â
Liebe GrĂŒĂe und einen schönen ersten Advent an euch zwei
Michi
Hey, ihr Lieben,
also erstmal alles Gute nachtrÀglich zum Geburtstag, Andy!!!
Was fĂŒr ein schöner Bericht wiedermal!!!
Das Wasser des Rio Negro und Amazonas ineinander verschwimmen zu sehen ist beeindruckend!
Das kann man sich wirklich nicht vorstellen! Eure Bilder sins so gigantisch! Die FluĂdelphine aner auch dieser tolle Sonnenuntergang… die Inseln wie in der Karibik und dann der Dschungel mit den besonderen BĂ€umen und Tieren! Wunderschön!
PaĂt weiterhin auf euch auf!! Ich freu mich schon auf den nĂ€chsten Bericht!
Viel GrĂŒĂe, Sandra
Liebe Sandra,Â
wieder einmal so schön von dir zu hören, besser gesagt zu lesen. Vielen Dank fĂŒr dein so positives Feedback. đ
Wir sind nun in Guyana und auf dem Weg nach Brasilien. Die beginnende Regenzeit drĂ€ngt uns, denn dann wird die unbefestigte StraĂe eine schmierige Angelegenheit. Das möchten wir mit 13 Tonnen nicht gerne herausfordern. Es bleibt spannend.Â
Von Andy auch ein herzliches Danke, dass du an ihn gedacht hast.
Dir wĂŒnschen wir Erholung und eine schöne ruhige Weihnachtszeit. Wir wissen noch nicht genau, wo wir es verbringen werden. Doch wir wissen mir wem: unseren niederlĂ€ndischen Freunden, family everywhere.
Alles erdenklich Gute fĂŒr dich
Andy und Michi