Werkstattbesuch Nummer X
Wir besuchen mal wieder eine Daimler-Werkstatt, dieses Mal in Cali. Wir haben Kühlwasserverlust. Mit viel Wartezeit wird sich um Emma gekümmert und zuerst ans Diagnosegerät gehängt. Doch sie finden nichts. Andy hat beim genauen Betrachten des Überdruckventils festgestellt, dass dieser leckt. Somit bestellen wir diesen um festzustellen ob das die Ursache ist, sowie unseren AdBlue Deckel der geklaut wurde. In drei Tagen sollen die Teile da sein. Die Wartezeit verbringen wir nochmals am Calima -See auf unserem bekannten Platz. Im Ort Calima selbst gibt es ein Museum und dies ist nun ein guter Anlass, es zu besuchen. Er gibt die Geschichte der verschiedenen Indigenen in der Umgebung wider. Vieles ist vergleichbar mit anderen Orten, welche wir schon aufgesucht haben und immer wieder interessant. Die für uns neue Technik, mit einem Beamer auf ein großes weißes Buch die Beerdigungsrituale zu veranschaulichen, ist eine interessante Darstellung.
Anschließend genießen wir in einem Cafe neben der Kirche einen Cappuccino und Maracuja-Saft und können zeitgleich die fantastische Vogelwelt auf einem Bildschirm beobachten.




Das ist uns noch nie passiert!
Nur ein Teil ist angekommen und das Zweite soll erst am Montag angeliefert werden. Wir entscheiden uns auf den AdBlue Deckel zu verzichten und holen in Cali das Überdruckventil ab.
Es geht nun auf den Campingplatz La Bonanza. Von diesem haben wir schon viel Gutes gehört. Noch etwas einkaufen, dann geht es los. Wir liegen gut in der Zeit. Doch ein „Stopp and Go“ Verkehr durch Cali bremst uns schon mal aus. Wir fahren auf der linken Seite, plötzlich überholen uns mehrere Autos auf dem linken Grasstreifen und drängen vor uns rein. Doch ein viertes Auto meinte er passt noch hinein, wird von einem Busch behindert und touchiert erst das Hinterrad und dann das Vorderrad. Er hat sich die Seite beschädigt und behauptet wir seien schuld. Er ruft sofort die Polizei und seinen Versicherungsagenten. Wir schildern unsere Position. Daraufhin kann die Polizei keinen Schuldigen feststellen. Hmmm??? Sie zieht wieder ab. Der Agent hört sich auch unsere Position an und redet mit dem Paar. Er versucht eine Versöhnung hinzubekommen, indem wir etwas bezahlen. Wir bleiben konsequent und werden definitiv nichts bezahlen. Kurze Zeit später gibt er uns die Hand und lässt uns die Reise fortsetzen. Seid froh, dass ihr uns anschließend nicht gehört habt. Hahaha!!!
Das Theater hat uns zwei Stunden geraubt und wir müssen an einer sehr lauten Tankstelle übernachten. Es wird schon dunkel und bei Dunkelheit fahren wir nicht mehr.


Ein Ort der freundschaftlichen Begegnung
La Bonanza! Wir werden sogleich herzlich von Anouar begrüßt. Kika ist in Marokko ihre Mutter besuchen. Der Ort hat uns sofort sehr gut gefallen. Es ist alles da, was das Overlander- Herz begehrt. Vor allem können wir jederzeit auf die Hilfsbereitschaft von Anouar zugreifen. Es entwickelt sich ein freundschaftliches Verhältnis. Entspannen und Gegend erkunden ist angesagt. So ist zumindest der Plan. Am Dienstag fahren wir mit dem Bus nach Silvia auf den Markt um den Ort zu besichtigen und die Einheimischen kennenzulernen.




Silvia ist ein Ort den man erlebt. Schon beim Einfahren fallen sie uns ins Auge: Männer mit dunklen Ponchos und runden Hüten, Frauen in farbenfrohen Röcken, ebenso runden Hüten und lila Ponchos. Es sind die Mitglieder des indigenen Volkes der Guambiano, die sich selbst lieber Misak nennen. Ihre Kleidung ist kein folkloristisches Accessoire für Touristen – sie ist Identität, Geschichte und Stolz.
Der berühmte Markt- mehr als nur Handel
An einem Dienstag verwandelt sich der Ort in ein lebendiges Mosaik aus Farben, Stimmen und Gerüchen. Der indigene Markt ist kein Spektakel für Besucher, sondern ein zentraler Treffpunkt der Gemeinschaft.
Hier wird gehandelt, gelacht, diskutiert – und manchmal einfach nur beobachtet.
Kartoffeln in allen Größen und Farben, frisch geernteter Mais, Heilpflanzen und handgefertigte Stoffe wechseln den Besitzer. Dazwischen sitzen Frauen und ältere Männer ruhig auf den Bänken im Park während Kinder neugierig durch die Gassen laufen.
Wir merken schnell: Wir sind hier Gast. Kein Kunde, kein Zuschauer – sondern ein stiller Beobachter einer Welt, die seit Jahrhunderten funktioniert.




Tradition trifft Gegenwart
Was Silvia so besonders macht, ist diese Balance. Die Misak leben ihre Traditionen bewusst weiter – und gleichzeitig sind Smartphones, Motorräder und Schulen längst Teil des Alltags.
Diese Mischung wirkt nicht widersprüchlich. Im Gegenteil: Sie zeigt, wie Kultur lebendig bleibt, ohne stehen zu bleiben.
Wir spazieren durch den Park, schauen uns die Kirche an, trinken einen Cappuccino im historischen Cafe Molino Dorado, das wie ein Museum ausgestattet ist, besteigen den Berg mit der Belem Kirche mit einem herrlichen Blick auf die Stadt Silvia. Wir haben Hunger und laufen nun im strömenden Regen zum Birimbi Restaurant. Doch trotz angekündigter Öffnungszeiten ist es geschlossen. Wirklich schade, denn Anouar hat es uns wärmstens empfohlen. Auf dem Rückweg finden wir eine unbeschriftete Lokalität, werden vom Besitzer hineingebeten und bekommen ein leckeres Gericht für gerade mal 3 € pro Person. Mit der Besitzerin haben wir uns sofort gut verstanden.










Ein Körper spielt verrückt
Wir kehren zurück auf den Markt um einzukaufen. Ich darf eine Misak fotografieren und beim Aufrichten von der Hocke wird mir sehr schwindelig und ich sehe doppelt. Andy führt mich hinaus und es dauert eine halbe Stunde bis ich wieder normal sehe.
Auch beim Wandern falle ich plötzlich um. Ich kann mich nicht daran erinnern. Zum Glück hat mich Andy aufgefangen. Das war dann das Zeichen, den Arzt aufzusuchen, besser gesagt das Krankenhaus in Cali.
Wir fahren für 2 ½ Stunden die 108 km zurück ans Foundation Valle del Lili in Cali.
Ich werde komplett untersucht mit EKG, Blutabnahme, MRT u.v.m. doch es wird nichts gefunden. Die Erklärung der Ärzte leuchtet ein. Vermutlich habe ich zu wenig getrunken und das Blut ist nicht ganz ins Gehirn gekommen, da es zu dick war. Also noch mehr Flüssigkeit zu mir nehmen.

Es reißt nicht ab
Wir kehren zurück zum Camp La Bonanza, doch nun kränkelt Emma wieder. Das Kühlwasser läuft schon wieder aus und wir können das Überdruckventil als Fehlerquelle ausschließen. Jetzt versuchen wir bei einem Franzosen, der 10 Minuten entfernt eine Werkstatt hat, einen Termin zu bekommen.
Irgendwie reißt es gerade nicht ab und wir werden langsam müde von den Emma-Aufgaben. Emma kränkelt uns zu viel. Auch der Wasserabscheider vom Dieselfilter ist undicht. Zum Glück haben wir Ersatz dabei. Ein Gespräch mit unserem LKW- Werkstattmeister in Esslingen bringt uns auf eine defekte Zylinderkopfdichtung vom Kompressor. Der Kompressor bläst dadurch Druckluft in den Kühlkreislauf und das sollte das Problem sein. So hoffen wir! Also heißt es das Teil zu organisieren. Wir haben Glück, und bekommen es aus Cali. Nur die Lieferung ist zeitintensiv.
In der Werkstatt von Ben wird auch der Wasserscheider und ein undichter Schlauch ausgetauscht, bis die Teile und das Kühlmittel ankommen.
Bis in die Dunkelheit wird dann gearbeitet und wir können noch zurück auf den leeren La Bonanza. Am nächsten Tag wird auch die Heizung der Wohnkabine wieder mit Kühlmittel aufgefüllt, damit die Heizung funktioniert. Probefahrt- bis jetzt ist alles okay. Zum Glück!
Wir verabschieden uns von Ben. Vielleicht sehen wir uns wieder.





Popayan – die weiße Stadt Kolumbiens
Wir sind zum ersten Mal in Popayan und verstehen sofort, warum die Stadt den Beinamen „La Ciudad Blanca“- die weiße Stadt trägt. Fast die gesamte Altstadt strahlt in hellem Weiß. Koloniale Fassaden, schwere Holztüren und Kopfsteinpflaster prägen den Stadtflair.
Popayan gehört zu den ältesten spanischen Städten Kolumbiens und wurde bereits 1537 gegründet. Früher war sie eine der reichsten Städte Südamerikas. Der Grund dafür lag nicht etwa im Kaffee oder Tourismus, sondern in Gold, Handel und Macht. Zwischen Quito und Cartagena verlief eine wichtige Handelsroute der Spanier und Popayan lag strategisch perfekt dazwischen. Wer Geld, Einfluss oder politische Bedeutung hatte, kam an dieser Stadt kaum vorbei.
Noch heute spürt man diesen alten Reichtum. Hinter manchen unscheinbaren Türen verstecken sich riesige Innenhöfe mit Springbrunnen, Blumen und jahrhundertealten Holzbalken. Viele Gebäude wirken von außen schlicht, innen aber fast aristokratisch. Die weiße Farbe hatte übrigens nicht nur ästhetische Gründe: Kalkfarbe half früher gegen Hitze, Feuchtigkeit und sogar gegen Krankheiten. Doch Popayan hat auch eine dramatische Geschichte. 1983 erschütterte ein schweres Erdbeben die Stadt und zerstörte große Teile der historischen Gebäude. Viele dachten damals, die koloniale Schönheit sei für immer verloren. Aber die Einwohner bauten ihre Stadt mit unglaublicher Hingabe wieder auf – Stein für Stein, Balkon für Balkon. Heute wirkt vieles original, obwohl ein großer Teil restauriert werden musste.
Während andere Orte mit Action und Hektik beeindrucken wollen, erzählt Popayan seine Geschichte langsam, durch weiße Mauern, alte Glocken, Erdbebennarben und den Duft kolonialer Vergangenheit.




Nun sind unsere Hinterreifen angekommen. Wir fahren in die Reifenwerkstatt und werden sogleich bedient. Die Hinterreifen werden getauscht und das beste Rad als Ersatzrad genommen.
Bei Ana auf dem Colibri Campestre verweilen wir ebenso, denn unser Visa für Ecuador kann erst ab 20. Mai wieder ausgestellt werden, damit wir wieder 90 Tage bekommen. In einem Jahr kann man in Ecuador 90 Tage mit einmaliger Verlängerung von nochmals 90 Tagen für aktuell 160 US Dollar p.P. bekommen. Das werden wir wohl in Anspruch nehmen.
Wir erkunden wieder zu Fuß die Umgebung und wandern sogar nach Ipiales.





Zwischen Nebel, Niesel und einzelnen Sonnenstrahlen- unser Abenteuer an der Laguna La Cocha
Wir kommen an, an einer sehr bewölkten Lagune mit herrlich bunten Häusern auf Pfählen und mehr als sieben Brücken die zu Restaurants oder Cafes führen. Wir spazieren durch den Ort und an das Ufer mit Blick auf die Lagune. Sie liegt vor uns: groß, mystisch und still – die Laguna de la Cocha. Die Luft ist kalt. Diese Art von kalt, bei der man gleichzeitig friert und trotzdem sagt: “Ach, ist das schön hier!“ Das Wolkenspiel verändert in Sekunden die Stimmung auf die Lagune und den Ort. Von geheimnisvoll, bedrohlich bis heiter und sonnig, doch jederzeit wolkig.

Dann lernen wir Tamara und Simon kennen, die mit ihren Fahrrädern von Alaska bis La Cocha in einem Jahr gefahren sind. Wir genießen einen Kaffee zusammen in einer schönen Cafeteria mit leckeren Zimtschnecken und der Tag gestaltet sich als sehr kurzweilig. Am Abend lassen wir uns noch eine köstliche Forelle munden. Doch mit dem Regen verabschieden wir uns am nächsten Tag vom sympathischen Pärchen und dem bunten Ort La Cocha.







Ab nach Ecuador
Nun geht es über die Grenze nach Ecuador. Alles läuft reibungslos und wir haben wieder 90 Tage in unserem Pass stehen.
Jetzt wird es spannend. Wir fahren auf die Finca Sommerwind und sind gespannt, was von und in unserer Box, die wir hier für ein Jahr haben stehen lassen, noch übrig ist. Unterwegs in Brasilien haben wir ein Bild in einem Chat mit unserer aufgebrochenen Box gesehen und seither wissen wir nicht, was noch vorhanden ist. Es fehlt die komplette Fahrradausstattung und unsere neuen Fahrradreisetaschen, nur die Räder sind zum Glück noch da. Auch unsere gesamten Koffer sind weg, drei an der Zahl. Hans kommt gleich auf uns zu und bittet um ein Gespräch. Er hat uns angeboten, alles auf seine Kosten ersetzen zu wollen. Er hat sich aufrichtig entschuldigt und organisiert mit uns Fahrradtransporttaschen, denn die Räder möchten wir mit nach Hause nehmen.
Emma bekommt wieder einen Rundumcheck mit Öl- und Filterwechsel, Bremsbelagskontrolle (ein Belag muss neu drauf) und die Vorderräder müssen auf der Felge gewechselt und nachgeschnitten werden.






So vergeht die Zeit schneller als gedacht. Um die Emma für 5 Monate abzustellen und dabei die Reifen nicht zu belasten, organisieren wir Holzblöcke um die Emma beim Stehen anzuheben und zu entlasten.
Zwischenzeitlich kommen auch Tamara und Simon nochmals an. Wir verbringen den Samstag in Otavalo auf dem Handwerksmarkt. Eine Faszination Traditioneller Kunst erwartet uns.









Eine Stadt zwischen Himmel und Erde
Der Pick Up von Hans ist voll mit unserem Gepäck. Er bringt uns nach Quito in unser gebuchtes Appartement. Quito liegt auf 2850 Metern Höhe. Die Luft ist klar, die Sonne intensiv und über der Stadt thronen die Gipfel der Anden.
Wir schlendern durch die historische Altstadt und sind beeindruckt historischen Plätzen, Kirchen und Gebäuden. Goldverzierte Kirchen, Fassaden im Kolonialstil und verwinkelte Gassen erzählen Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten. Hinter jeder Ecke wartet auf uns ein neues Fotomotiv, ein gemütliches Cafe oder ein kleiner Platz auf dem das Leben seinen eigenen Rhythmus hat. Ausblicke, bei der Tradition und Moderne auf faszinierende Weise miteinander verschmelzen.












Eine Hommage an die Menschlichkeit
Das von Oswaldo Guayasamin geschaffene Museum und die „Capilla de Hombre“ (Kapelle der Menschlichkeit) steht auch auf unserer Besichtigungsliste. Er wird als der Picasso Ecuadors bezeichnet. Oswaldo widmete sein Leben der Darstellung menschlicher Gefühle. Er wollte die Geschichte und Erfahrungen der Menschen Lateinamerikas sichtbar machen – ihre Freude, ihren Schmerz, ihre Hoffnung und ihre Kämpfe. Wir begegnen gehäuften Emotionen und sind bewegt, auch vom Schmerz der Menschen, die Oswaldo Guayasamin sichtbar auf die Leinwand gebracht hat.







Die Heimat ruft
Vollbepackt geht es auf den Flughafen, die Fahrräder mit dabei. Fast können wir sie nicht als Sperrgepäck aufgeben. Wir sollten sie 48 Stunden vorher anmelden, doch all unsere Versuche scheiterten. Wieder einmal haben wir Glück. Es klappt!
Damit verabschieden wir uns jetzt von euch für lange Zeit. 5 Monate ZEIT für Familie und Freunde, Erledigungen am Haus und diverse Arztbesuche haben wir uns eingeplant. Insbesondere für mich ist PAUSE angesagt. Die gesammelten Eindrücke verarbeiten und setzen lassen. Zu Hause gibt es ebenso eine „to do“ Liste, welche wir die ersten Wochen angehen.
Nun wünschen wir euch eine gute Zeit mit Hoffnung, Zuversicht und Raum für Optimismus.

