Wir treiben durch Mompox mit einem anderen Flair
Wir begrüßen euch nun aus Kolumbien, stehen bewacht auf einem Innenhof eines Hotels und warten die größte Hitze von Mompox ab. Am späten Nachmittag schlendern wir los und wissen schon: Die Uhren ticken hier langsamer. Keine Hektik, kein Großstadtlärm! Wir nehmen nochmals die Kolonialhäuser wahr, ob weiß oder in bunten Farben. Auch die Kirchen präsentieren sich heute in einem besonderen Licht. Der Unabhängigkeitskämpfer des spanischen Südamerikas Simon Boliviar machte hier ebenso Station. Mompox unterstützte früh den Unabhängigkeitskampf und wir spüren noch heute den rebellischen Geist. Wenn wir durch die engen Gassen schlendern, fühlt es sich an, als würde jede Tür ein Kapitel aus der Kolonialzeit verbergen. Seit 1995 gehört die Altstadt zum UNESCO- Weltkulturerbe – und wir verstehen sofort warum. Hier ist nichts geschniegelt-touristisch. Alles wirkt echt, gewachsen, lebendig. Wir gönnen uns in der lauen Nacht nochmals libanesische Küche. Boote ziehen auf dem Rio Magdalena vorbei und der Fluss glitzert im Mondschein. Mompox zeigt uns, wie sich Zeit anfühlt, wenn sie Raum bekommt.








Karibik nach dem Sturm
Meeresrauschen, Palmen und weiße Strände, so stellen wir uns die Karibik vor. Doch durch einen starken langanhaltenden Sturm vor 14 Tagen finden wir kaum Strand und auf dem bisschen vorhandenen Ufer türmen sich angeschwemmtes Gehölz und Müll. Wir sind erschüttert! Manche Menschen haben kaum Energie alles wiederaufzubauen, denn es gibt keinen Strand mehr und dadurch bleiben die Touristen aus. Wir stehen auf einem befestigten Parkplatz neben der Promenade, die Polizei hat uns die Erlaubnis gegeben dort zu übernachten. Wir genießen den Spaziergang und den Sonnenuntergang bevor wir uns in die Emma vor dem Mückenangriff zurückziehen.



Am nächsten Morgen geht es weiter. Doch Brücken sind auf unserer Route eingestürzt und keine Umleitung führt uns darum herum. Wir finden einen Weg, doch dieser hat es in sich. Auch die Straßen haben immense Schäden erlitten und wir stehen oft vor großen Herausforderungen, ob Löcher, Gräben und Furchen oder verengten, seitlich abgerutschte Pisten mit einer Breite von weniger als 2,50m lassen unsere Herzen schneller schlagen. Doch mit einer seitlichen Grasböschung kommen wir gerade so vorbei. Und mit der Fahrkunst Andys, einem hervorragenden Fahrer.


Wir finden den für uns schönsten Platz unter Palmen und der Strand wird super gepflegt. Hier verweilen wir sehr gerne länger. Nicht unweit entfernt stehen Brasilianer mit einem Land Rover. Wir inspizieren die rechte und die linke Strandseite ausgiebig und auch hier versuchen die Menschen mit Mauern, Sandsäcken und Wellenbrechern ihre Lebensgrundlage zu retten. Andere haben schon aufgegeben oder keine Finanzen mehr. Am Ende, bevor der Strand am Wochenende in kolumbianischer Hand ist mit viel lauter Musik, was sie lieben, ziehen wir weiter. Nur noch kurz den jungen Leuten Starthilfe bei ihrem Land Rover geben.



Wir finden keinen so schönen Platz mehr, das war ein absoluter Glücksgriff. Ob in Monitas oder in Cabanas El Palmar sind Zerstörung und verwüstete Strände der einprägende Eindruck, den wir in Erinnerung behalten. Doch einige Wanderungen führen uns zu einem Schlammvulkan und zu einem Schlosshotel aus Walt Disney und komplett aus Plastik erbaut. Wir sind neugierig und gehen auch an die Rezeption und tatsächlich auch hier alles aus Plastik, außer Böden und Fenster.






Nachdem wir den letzten Platz angefahren haben mit extrem lauter Musik, entscheiden wir uns weiter nach Medellin über die Berge zu fahren. Das ist kein Platz zum Verweilen. Auch fühlen wir uns nicht wohl unter den betrunkenen jungen Menschen.
Die Fahrt von über 500 km über die Berge in Serpentinen und oft auf miserablen Straßen und mit vielen Baustellen kostet Kraft. Auch wenn die herrlichen grünen Ausblicke schön sind müssen wir mit unserer großen Emma die schönsten Plätze zum Übernachten links liegen lassen, da wir nicht durch Tore oder Wege passen, um auf den Campingplatz zu kommen. Tankstellen und LKW Rastplätze müssen herhalten, doch in der hintersten Ecke finden wir einigermaßen Ruhe, manchmal!




Ein Viertel im Wandel
Wir sind außerhalb von Medellin und bestellen uns ein Taxi , um zu unserer geführten Tour zu kommen. Während wir mit unserem Guide und der Gruppe durch die Straßen in die Comuna 13 laufen, sind wir schon gespannt, was uns dort erwartet. Wir kommen zum Eingang dieses Viertels und farbenprächtige Graffitis an den Hauswänden sowie ein buntes Treiben mit lauter Musik begrüßen uns. Der ohrenbetäubende Musikstil geht gefühlt alle 10 Meter in verschiedene Richtungen. Kaum zu glauben, dass dieses Viertel früher das gefährlichste von ganz Medellin war.
Die Comune liegt an den steilen Hügeln im Westen der Stadt. Von hier führen Wege aus dem Tal hinaus Richtung Küste. Genau diese Lage machte das Viertel in den 1980er- und 1990er- Jahren strategisch wichtig – und damit zum Umkämpften Gebiet. Wir erfahren, dass Guerillagruppen wie die FARC, Drogenbanden und paramilitärische Gruppen um Einfluss kämpften. Die engen Gassen und steilen Treppen machen es für Polizei und Militär schwer, die Kontrolle zu behalten.
Im Jahr 2002 erreicht die Gewalt einen dramatischen Höhepunkt. Die kolumbianische Regierung führt die Operation Orion durch – eine große Militäroperation, um bewaffnete Gruppen aus der Comuna 13 zu vertreiben. Hubschrauber kreisen über dem Viertel, Soldaten ziehen durch die engen Gassen. Viele Menschen werden verhaftet, einige verschwinden spurlos und viele verlieren ihr Leben. Bis heute ist dieses Ereignis für viele Bewohner ein schmerzhaftes Kapitel. Das anschließende Projekt Jugendliche zu Graffiti, Tanz und Musik zu bringen und weg von Gewalt ist gelungen. In dieser Kunst wird Verarbeitet, daran erinnert und positiv vorwärts gedacht.







Wir gehen langsam durch die Gassen, nachdem die Führung zu Ende ist und stellen fest, dass die Wände hier sprechen. Überall leuchten Graffitis in kräftigen Farben – Gesichter, Tiere, Tänzer, Kinder. Jedes Bild erzählt eine Geschichte.
Menschen mit großen Augen fallen uns auf. Sie schauen uns direkt an, dass wir und die Besucher und damit die Welt hinschauen sollen, was passiert ist.
Vögel stehen für Freiheit und Hoffnung. Sie symbolisieren den Wunsch der Menschen, sich aus der Zeit der Gewalt zu befreien und eine neue Zukunft aufzubauen.
Schmetterlinge bedeuten Transformation und Neubeginn. Sie symbolisieren den Wandel der Comuna 13 von dem gefährlichsten Viertel Medellins zu einem Ort voller Kunst, Musik und Gemeinschaft.
Blumen symbolisieren Leben, Wachstum und Frieden. Die sehr kräftigen Farben sollen bewusst zeigen: Das Viertel ist lebendig und voller Energie, trotz seiner schwierigen Vergangenheit.
Hände geben die Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft wider und der Elefant hat uns mit seiner Botschaft ebenso sehr berührt: Er spiegelt Stärke und Widerstandskraft. Zudem gelten sie als Tiere mit sehr gutem Gedächtnis. Er steht meist dafür die Vergangenheit nicht zu vergessen und trotzdem mit Stärke positiv weiterzumachen, nämlich mit Kunst, Tanz und Musik anstatt mit Gewalt.






Während wir heute durch die Gassen laufen, erzählen diese Graffitis von dieser Zeit. Viele Wandbilder erinnern an Menschen, die verschwunden sind oder ihr Leben verloren haben. Bis zu 40.000 Personen sind in jener Zeit umgekommen (die Dunkelziffer liegt meist höher).
Die sechs großen Rolltreppen wurden 2011 gebaut. Sie ersetzen 350 Stufen und verbinden mehrere steile Hügelbereiche. Dadurch wurde der Alltag für die Bewohner viel leichter.
Oben an den Hängen blicken wir weit über die Stadt. Ein beeindruckender Ausblick und zwischen den Häusern leuchten Farben, Musik und Leben. Allgemein fesselt uns die Geschichte mit dem positiven Wandel. Und dieser Ort ist mittlerweile das am meisten besuchte Viertel Medellins.
Wir spüren es – Mittendrin!


Inmitten rundlicher Skulpturen
Wir stehen mitten auf dem Plaza Botero und wissen zunächst gar nicht, wohin wir zuerst schauen sollen. Überall um uns herum stehen riesige Bronzefiguren- dicke Pferde, runde Katzen, üppige Frauen und Männer mit erstaunlich viel Bauch. Es wirkt fast so, als hätten sie sich heimlich nachts hier versammelt, um gemeinsam Urlaub zu machen.
Die 23 Skulpturen stammen vom berühmten kolumbianischen Künstler Fernando Botero, der aus Medellin stammt. Sein Markenzeichen: Alles ist ein bisschen – oder eher sehr – rund. Menschen, Tiere und sogar Musikinstrumente wirken aufgeblasen, als hätten sie zu viel von einem kolumbianischen Festessen genossen.
Wir schlendern zwischen den Figuren hindurch und merken schnell: Hier bleibt niemand lange ernst. Besucher posieren lachend neben den Figuren, Kinder klettern auf die große Bronzetiere und ständig hört man Kameras klicken. Der Platz liegt direkt vor dem Museo de Antioquia, in dem viele weitere Werke von Botero ausgestellt sind. Wir sind zu spät dran doch schon hier draußen fühlt sich der Platz wie ein kostenloses Freilichtmuseum an.
Die Figuren stehen für Volumen als Schönheit, Humor, Menschlichkeit und manchmal auch gesellschaftlicher Kritik. Und genau deshalb sind sie so einzigartig und unverwechselbar.
Besonders beliebt ist die große bronzene Katze. Viele machen Selfies und Gruppenfotos und irgendwie wirkt jeder Mensch neben den Figuren ein wenig schlanker. Was uns besonders gefällt: Botero wollte, dass seine Kunst für alle zugänglich ist. Deshalb schenkte er seine Figuren seiner Heimatstadt. Heute betrachten wir sie hier wie freundliche Wächter des Platzes – rund, glänzend und erstaunlich fotogen. Selten hat uns Kunst so zum Schmunzeln gebracht.










Wie schnell doch die Zeit vergeht
Schwupp, es ist schon 16:30 Uhr und wir wollen noch mit der Seilbahn auf unseren Hügel fahren. So nehmen wir eine Metro, anschließend ein Taxi durch zähfließenden Verkehr und fahren mit der Seilbahn. Doch nicht ganz auf den Hügel. Um 17:30 Uhr schließt diese ganz gegen die Angaben auf Google. Somit sind wir gezwungen nochmals ein Taxi zu wählen und kommen bei völliger Dunkelheit wieder bei unserer Emma an. Was für ein ausgefüllter und spannender Tag.
Der Wald präsentiert sich
Wir bleiben noch eine Nacht und unternehmen eine Exkursion durch den Wald gleich nebenan. Der Weg ist sehr lehmig, teils voller wassergefüllten Mulden und Furchen, viel Wurzelwerk und Matsch. Doch wir haben auch herrliche Abschnitte mit Nadelwaldduft in der Nase und entdecken viele bunte verschiedenartige Blüten. Waldbaden tut gut nach der lärmigen Großstadt. Als der Hunger sich rührt drehen wir um und gönnen uns ein köstliches Essen im Lokal „Soul“. Vor lauter Hunger haben wir nicht daran gedacht von unserem herrlich dekorierten Lachs und Thunfisch ein Foto zu machen.





Eine bunte Überraschung
Das haben wir keinesfalls erwartet. Schon beim ersten Blick wissen wir: Guatape ist kein Ort den man einfach besucht – wir stolpern förmlich hinein in ein Farbenmeer. Alles leuchtet, alles strahlt und wir fragen uns kurz, ob jemand hier heimlich die Sättigung der Welt hochgedreht hat.
Wir schlendern durch die kleinen Gassen und bleiben alle paar Meter stehen, weil jede Hauswand ihre eigene Geschichte erzählt. Die berühmten „Zocalos“ – diese bunten Reliefs an den unteren Fassaden – zeigen Tiere, Kaffeebohnen, Motorräder oder ganze Familiengeschichten. Es fühlt sich ein bisschen an, als würden wir durch ein lebendiges Bilderbuch laufen. Und ja, wir machen natürlich viel zu viele Fotos – aber mal ehrlich, hier sieht einfach alles nach Postkarte aus. Unser Wunsch für Zuhause: Bitte ein bisschen mehr Mut zur Farbe.













Ein beeindruckender Monolith
Der Aufstieg beginnt motiviert, fast sportlich. Nach etwa der Hälfte wechseln wir dann in den Modus: „Warum tun wir uns das eigentlich an?“ -begleitet von kurzen Pausen, tiefem Durchatmen und dem Versuch, so auszusehen, als würden wir einfach nur die Aussicht genießen. Was natürlich auch stimmt… irgendwie.
Oben angekommen! Wow. Einfach wow. Der Blick über die smaragdgrünen Wasserarme des Embalse de Guatape ist jede einzelne Stufe wert. Mit 708 Stufen erreichen wir nämlich den höchsten Punkt. Naturwunder inklusive Fitnessprogramm. Die Landschaft wirkt wie ein Puzzle aus Inseln, Wasser und Himmel, auch wenn dieser bewölkt ist, fast unwirklich schön. Wir stehen da, ein bisschen verschwitzt, ein bisschen stolz und definitiv beeindruckt. Wir gönnen uns wieder einen Becher Mango Streifen (Mango biche) und setzen uns in den Schatten mit dem Genuss der Mango und der spektakulären Aussicht. Der Abstieg ist ziemlich zügig und ohne Schweiß. 😉
Um diesen 220 Meter hohen Monolith streiten sich die Gemeinden Guatape und El Penol, denn es steht genau auf der Grenze. 708 Stufen auf 220 m hochl , denn er steht genau auf der Grenze. Ein Nachbarschaftskrimi steht als Geschichte dahinter. Von weitem kann man ein G erkennen, da hat Guatape ein Zeichen gesetzt. Der Einspruch kam sofort. Heute verwaltet Guatape den Monolith und der Name stammt von El Penol. Ein Nachbarschaftskrimi steht als Geschichte dahinter.
Was die Gemeinde Guatape so besonders macht, ist nicht nur die Kulisse, sondern die Atmosphäre. Alles wirkt entspannt, freundlich und ein bisschen verspielt. Die Menschen lachen viel, die Farben machen gute Laune und wir stellen fest: Hier geht es nicht um Sehenswürdigkeiten abhaken- hier geht es ums genießen. Wir erleben diesen Ort und nehmen ein kleines bisschen Farbe mit nach Hause – zumindest in unseren Herzen. Von diesem Platz grüßen wir euch farbenfroh und freuen uns auf eueren weiteren Besuch, wenn es mit Batterieschock, unterschiedlichen Wasserfällen und den ersten Baggererfahrungen weitergeht. Die Abenteuer werden nicht weniger. Bleibt gesund und passt auf euch auf.


