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Unsere Hoffnung in Brasilien

Die Grenze ist geschlossen und wir übernachten in einem Park. Am nächsten Morgen klappt die Ausreise reibungslos und es geht nach Brasilien. Eigentlich haben wir alles recht zügig erledigt, es fehlt nur noch eine bedeutende Unterschrift auf dem TIP für Emma. Wir warten dafür 2 Stunden, das haben wir ja schon geübt, da der zuständige Chef noch nicht anwesend ist. Im strömenden Regen können wir endlich das TIP (Temporäre Einfuhrpapiere) abholen. Wieso soll es uns auch anders gehen.

An der Grenze zu Brasilien

Erstes Ziel in Boa Vista ist die Daimler Werkstatt. Pascal wegen der Zylinderkopfdichtung und wir wegen unserem Elektrik- Problem seit 90.000 km. Doch der zuständige Daimler- Mitarbeiter schickt uns zu einer anderen Werkstatt (esotec). Sie haben keine erfahrenen Mechaniker, er ist ehrlich.

Nuno, der esotec Besitzer, klingt sofort kompetent. Er kümmert sich um uns und bestellt einen Mitarbeiter für die Zylinderkopfdichtung, doch dieser ist erst gar nicht aufgetaucht. Nuno liest unseren Fehler mit der Diagnose-Software von Daimler aus und stellt einen defekten Sensor an der vorderen rechten Bremse fest. Diesen können wir hier nicht bekommen, somit hat er alle vier Sensoren abgeschaltet. Damit ist endlich die Fehlermeldung im Display behoben. Ein weiteres defektes Teil hat er ausgelesen, nämlich den Lufterhitzer für die Kaltstartautomatik. Auch diesen gibt es hier nicht, da sie keine kalten Temperaturen haben. Und wir können uns erklären, warum Emma in den Anden so schlecht angesprungen ist und immer eine Heizung benötigte. Nun haben wir weitere Aufgaben für zuhause!

Pascal und Eefke werden, nachdem wir fertig sind, in eine andere Werkstatt begleitet die sich auf „Motoren zerlegen“ spezialisiert haben. Wir fahren unterdessen zum LKW- Reinigungsplatz. Wieder ist warten angesagt. Nach 3 Stunden können wir eine strahlende Emma vom Platz rollen.

Ein weiteres Problem gibt es zu bewältigen. Unsere Gelbatterien für die Wohnkanine sind extrem heiß geworden und werden zusätzlich überladen. Schnell die Sicherung zur Solaranlage abklemmen! Knacks, sie zerbricht. Nun werden alle Batterien gemessen und dabei stellen wir fest: eine hat  sich verabschiedet. Somit klemmen wir 2 von 4 Batterien ab und besorgen eine neue Sicherung. Nun funktioniert unsere Stromversorgung zum Glück wieder. Wir sind erleichtert.

Nach dem nötigen Einkauf fahren wir zum Campingplatz 15 km außerhalb von Boa Vista und kommen sehr müde bei Dunkelheit an.

Nuno setzt sich voll ein um unser Elektronikproblem zu lösen
Wo befindet sich der Lufterhitzer für die Kaltstartautomatik
„Weg mit dem Dreck.“
Welche Batterie macht Mucken?

Entspannte Weihnachten und Daumen drücken für Mini

An diesem idyllischen Platz gefällt es uns richtig gut. Wir können uns von den Aufregungen erholen und uns um das Innenleben der Emma kümmern, Wäsche waschen, Wasser auffüllen und Vögel beobachten. Es ist auch ein Platz, an dem wir mit unseren Freunden Weihnachten verbringen können.

Doch leider haben sie gar kein Glück. Der Zylinderkopf wird ausgebaut und überarbeitet, dabei ist der Ausgleichsbehälter beschädigt worden. Dann bekommen sie einen falschen Zylinderkopf zurück und an der Achse tropft Öl herunter. Auf das eine folgt das andere. Aus 4 Tagen werden 12 Tage und wir können keine Weihnachten zusammen feiern. Dafür laden wir sie zum selbstzubereiteten Essen auf den Campingplatz ein, damit sie mal etwas anderes wie die verschmutzte Garage sehen.

Unser Plan ist nun: Silvester in Venezuela gemeinsam zu feiern.

Wäsche und Innenleben wird nun gesäubert
Ist da ein Ameisenbär zu sehen?
Nein, es ist ein Weißhalsibis
Gemeinsamer 2. Weihnachtsfeiertag

Venezuela, wir kommen!

Wir fahren schon mal los und wünschen ihnen nochmals viel Glück, sie möchten uns in ein paar Tagen folgen. Die Fahrt führt uns über neu geteerte, gelöchert- geteerte und zerfurchte übelste Pisten zu unserem Übernachtungsplatz in einem Native Dorf. Die Landschaft ist üppig grün und wieder hügeliger. Es schmeichelt unseren Augen.

Wir sind an der Grenze und die Ausreise von Brasilien geht sehr schnell, die Einreise nach Venezuela scheitert fast am geschlossenen Office für das TIP (Temporäre Einfuhrpapiere) unserer Emma. Es wird extra für uns ein zuständiger Beamter aus Santa Elena beordert, damit wir das TIP ausgestellt bekommen. Nach 3 Stunden sind wir dann auch mit Allem fertig. Nun können wir offiziell in Venezuela reisen.

Die Landschaft wird hügeliger und grüner, die Straßen zerfurchter…
….und gelöcherter.
Die Türen zum TIP ausstellen lassen sind erst geschlossen
Dann können wir doch noch vom Hof rollen.

In Santa Elena möchten wir uns eine Sim-Karte organisieren. Doch zuerst knurrt uns der Magen nach etwas Leckerem. Die beschriebenen Restaurants sind am Ort nicht mehr aufzufinden. So ziehen wir einen Fleisch lastigen Straßenstand vor. Zum Glück sind wir keine Vegetarier. Es war liebevoll zubereitet mit gebratenem Reis und Avocado, lecker.

Am Sonntag haben die Sim- Karten Läden geschlossen. So kehren wir der lauten Stadt den Rücken und treffen uns in der Gran Sabana mit Gabi und Frank. Die zwei kommen uns mit Paula entgegen und warten auf dem Parkplatz Abandonado im Canaima Nationalpark, der in der Gran Sabana liegt.

100 Jahre Santa Elena
Nichts für Vegetarier
Treff und Abschied von Gabi und Frank

Gran Sabana – Weite, Wasserfälle und Tepuis

Von Santa Elena fahren wir hinein in die Gran Sabana und schon nach wenigen Kilometern verändert sich alles. Die Straße zieht sich durch weite Savannen, das Gras leuchtet in der Sonne goldgrün und am Horizont tauchen sie plötzlich auf: die Tepuis. Massive Tafelberge mit senkrechten Wänden, geheimnisvoll, fast unwirklich. Häufig sind sie in eine Wolkenwatte gehüllt oder ganz im Nebel verschwunden. Wenn sie sich in den Wolken verstecken, können wir erahnen, wie sie dastehen, majestätisch und prachtvoll.

Je weiter wir fahren, desto klarer wird, wie alt diese Landschaft ist. Hier fühlt sich nichts hektisch an, geht auch nicht, denn die Straßen und Pisten entschleunigen von selbst. Flüsse schlängeln sich ruhig durch die Ebenen, Wasserfälle stürzen über Felskanten in die Tiefe. Mal fällt das Wasser auf rotem Gestein über Treppen wie der Quebrada de Jaspe, mal fällt er über die Kante 70m in die Tiefe wie der Kama Meru und dann stehen wir nach einer schönen Wanderung beeindruckt vor dem Salto Chinak Meru ( Aponwao) und staunen über die Wassermassen, die 110m rauschend herabstürzen. Wenn wir unterwegs anhalten, hören wir nur Wind, Wasser und Vögel. So wie am Aussichtspunkt El Oso mit Blick auf die Tafelberge. Hier verbringen wir auch Silvester, besser gesagt, schlafen gemütlich ins neue Jahr. Die Gemeinsamkeit mit unseren Freunden kann nicht stattfinden, denn der Motor wird immer noch zu heiß. Sie müssen nochmals ran an das Problem. Wie schade, wir wünschen euch viel Glück!!!

Das Licht wechselt ständig. Wolken ziehen tief über die Savanne, plötzlich reißt der Himmel auf und alles wirkt intensiver. Die Stimmung wird hell und freundlich, dann wieder geheimnisvoll und fast düster. Dieses ständige Wechselspiel macht für uns die Gran Sabana so besonders. Jeder Moment sieht anders aus.

Wir erfahren, dass diese Region Heimat der Pemon ist. Viele Berge gelten als heilig, bewohnt von Geistern und Ahnen. Mit diesem Wissen blicken wir ehrwürdig und respektvoll auf die Landschaft. Sie ist Natur, Mythos und Lebensraum zugleich.

Die Begegnungen mit dem Volk der Pemon sind stets freundlich, willkommen und respektvoll. Wir werden eingeladen zu ihnen zu sitzen, Kaffee zu trinken und bekommen die Erlaubnis auf ihrem Grund zu übernachten. Auch die 40km herausfordernde Piste haben wir auf uns genommen, um den 110m hohen Chinak Meru Wasserfall zu besuchen. Im Dorf Liwo Riwo stehen wir mittendrin in der Dorfgemeinschaft der freundlichen Pemon und fühlen uns sehr wohl. Hier ist der Fluss Apanwao lebenswichtig und tägliche Anlaufstelle. Zum sich Waschen, Tiere und Wäsche säubern oder Wasser für Zuhause holen. In Eimern wird das lebenswichtige Nass ins eigene Haus getragen. Es gibt kein Netz, keinen Strom. Für uns wird das Essen in der Küche mit Stirnlampen zubereitet. Doch die Menschen wirken hier sehr zufrieden. Nehmen es wie es kommt. Das Lieblingswort vom Chef: „Tranquilo!“ (langsam).

Wir verweilen länger in der Gran Sabana, denn just eine Woche nach unserer Einreise wird Caracas bombardiert und der derzeitige Präsident Maduro mit seiner Frau verhaftet und nach New York gebracht. Dort soll er als Drogenbaron vor Gericht gestellt werden. Es wird für uns spannend wie es weitergeht, denn die Grenzen nach Brasilien sind schon geschlossen. Doch all zu lange können wir auch nicht bleiben, denn unser Kühlschrank lechzt nach Frischware. Nicht nur er!😉Und ohne Internet können wir uns auch nicht über die politische Lage im Land informieren. Sollen wir wieder Richtung Brasilien oder doch durch Venezuela weiterreisen?

Die Fahrt und die Tepuis

Willkommen in der Gran Sabana
Palmenhaine schmücken die Landschaft
Die Straße schlängelt sich durch die Gran Sabana
Blick auf den Tepui (Tafelberg) mit goldener Steppe
Kontraste in der Landschaft
Quebrada de Jaspe
Der heilige Stein der Pemon

Besuch der Oasis

Die Fahrt präsentiert uns immer neue Perspektiven auf die Tepuis
Blick von oben
Am Ufer

Mirador Roraima am El Oso

Nur wenige Wolken
Besuch des Indigenen Dorfes
Ihre Dorf- Kirche mit einer selbstgebauten Krippe

Salto Kama Meru, ein 70m hoher Wasserfall

Mit doppeltem Regenbogen, was für ein Glück
Im Vergleich zu Emma wirkt der Wasserfall mächtig

Die 40km herausfordernde Piste nach Liwo Riwo zum Salto Chinak Meru ( Aponwao)

Ein kleiner Einblick auf die Piste
Gekonnte Fahrkunst

Im Dorf Liwo Riwo mittendrin im Leben der Pemon

Hier stehen wir sehr ruhig
Der Fluss, wichtig zum Überleben
Und Freude haben
Ihr heiliger Tepui sichtbar vom Dorf
Claudio und seine Tochter Paula sind sehr hilfsbereite, freundliche Gastgeber

Die Wanderung zum 115m hohen zum Salto Chinak Meru ( Aponwao)

Unser Guide Claudio bringt uns erst über den Fluss
Das sind alles Orchideen. Sie sind leider schon verblüht.
115m tief fällt das Wasser
Und fließt in diesem Tal weiter
Wir sind tief beeindruckt von dieser Wucht

Der Geist des Dschungels und der Berge

Wir entdecken den Aussichtspunkt nur am Vorbeifahren und halten auch, weil es WiFi gibt. Wir möchten kurz die aktuelle Situation und Nachrichten checken. Und natürlich nutzen wir auch die ausgeschilderten Aussichtspunkte, auch wenn meine aufkommenden Magenkrämpfe nicht nachlassen.

Wir sind sehr überrascht, denn wir blicken hinab auf einen fantastischen Dschungel und die umliegenden Tepuis: auf ein grün, grün und nochmals grünes Blätterdach. Und dann hören wir Gekrächze und das Grün wird gesprenkelt mit rot, blau und weiterem grün. Tatsächlich fliegen 3 Paare Grünflügelaras unter uns vorbei auf einen 50m entfernten Baum. Wir können uns an dieser besonderen Perspektive nicht sattsehen und und ihrer Unterhaltung nicht satthören. Diese herrlichen Tiere faszinieren uns immer wieder neu, dazu aus einer völlig ungewöhnlichen Sicht. Was für ein Glück!

Mit diesem wunderbaren Moment verabschieden wir uns bei euch und wünschen euch, dass ihr die Zuversicht und Hoffnung auf mehr Frieden nicht verliert. Bis zum nächsten Mal mit der Entscheidung, welche Route wir durch Venezuela wählen. I Übrigen: meine Magenbeschwerden haben sich nach einem Tag wieder gelegt.

Blick auf einen sagenhaften Dschungel von oben
Ein herrlicher Platz
Aras unweit entfernt unter uns
Mit diesem eleganten Flugkünstler verabschieden wir uns für dieses Mal