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Bienvenue en France

Nun sind wir in Europa, besser gesagt in einem französischen Departemente und peilen die erste Station an. Ein Ort am Grenzfluss mit Rafting Möglichkeiten bei genügend Wasserstand. Den gibt es allerdings aktuell nicht und das tangiert und nicht, denn wir haben kein Interesse an Rafting. Saut Maripe – dort gibt es auch zwei verschiedene Wanderwege. Schon die Fahrt hierher lässt uns einen Unterschied zu Brasilien erkennen. Der Regenwald geht bis zur Straße, hunderte von bunten, großen Schmetterlingen flattern überall umher, eine grün-schwarzgestreifte Schlange schlängelt eilig über unseren Weg. Diesen Anblick hätten wir eigentlich in Brasilien erwartet.

Wir dürfen am Rand des Flusses stehen, warten den heftigen Regenschauer ab und los geht`s in den Wald. Zu sechst entdecken wir mehr und die vielen unterschiedlichen Insekten und Reptilien sind gut getarnt und äußerst interessant.

Am nächsten Tag unternehmen wir zu dritt eine 14 km Tour und tauchen ein in das Waldbad. Die Bewegung im Schatten des Regenwaldes tut uns allen gut und wir genießen einen gut ausgeschilderten Wanderweg. Dabei entdecken wir unbekannte Tiere: ob Frösche die wie Laubblätter getarnt sind, fantastisch bunte Schmetterlinge oder Echsen von 10cm bis 1m…ein Genuss!!!

Leider haben wir hier auch ein Zeckenparadies gefunden und wir finden alle die nächsten Tage unglaublich viele und auch große Zecken an uns. Manche noch suchend andere leider schon angezapft. Raus mit den unangenehmen Wirten, einkringeln und beobachten. Ob die hier Krankheiten übertragen wissen wir nicht.

Bienvenue en France
Die ruppige Strecke nach Saut Maripe
Hält diese Brücke?
Der Wasserstand des Oyapok Flusses ist zu niedrig
Wanderung im Regenwald
Ein gut getarnter Frosch:
Auch diese kleine Echse huscht uns über den Weg: Saumfingerechse
Rote Bäume
Zu dritt auf einer 14 km Exkursion: Hat Spaß gemacht!

Die Wasserversorgung macht schlapp

Zudem hat die Rückkehr in die Emma uns eine weitere unangenehme Überraschung offenbart. Das Wasserfiltergehäuse hat einen Riss bekommen und leckt. Wir haben keinen Ersatz und somit kein Trinkwasser mehr. Was für ein Glück, dass wir mit unseren Freunden reisen, denn von ihnen bekommen wir sogleich gefiltertes Trinkwasser abgefüllt. Vielen Dank an family_everywhere!!!

Andy versucht das Gehäuse zu kleben, doch 5 bar ist eine Menge Druck. Der Versuch bestätigt es auch. Mit einem riesen Knall sprengt es das Gehäuse in zwei Teile. Nun müssen wir uns etwas anderes überlegen.

Per Express Post nach Französisch- Guyana schicken lassen? Wir sind ja schließlich in Europa. Brigitte und Martin (Schwester von Andy und Schwager) nehmen sich der Aufgabe an und senden es uns an eine DHL Express Paketstelle in Remire-Montjoly. Mal sehen, wann es uns erreicht. Es wird in fünf Tagen angekündigt.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Brigitte und Martin!!!

Das Gehäuse des Wasserfilters ist gerissen und nach dem Klebeversuch geplatzt.

Schlafentzug durch Lachen

Regina am Approuague-Fluss ist unser nächster Anlaufpunkt. Wir finden einen Platz neben einem Pavillon zum Übernachten.

Von hier aus erkundigen wir den Ort, besuchen das geschichtsträchtige Museum und entdecken eine französische, leider schon geschlossene Bäckerei. Dieses Dorf erzählt seine Geschichte leise. Wir spazieren durch die ruhigen Straßen und uns wird bewusst, dass hier eine Geschichte dahintersteckt. Genau hier brachen genau von diesem Ort Goldsucher in die Berge des Hinterlandes auf, Missionare kamen hier vorbei, Händler legten an und Abenteurer suchten ihr Glück in den Wäldern entlang des Approuague. Heute wirkt alles friedlich, aber unter der Oberfläche pulsiert Vergangenheit.

Unser Ziel ist das kleine Museum im Ort. Es ist ein ehemaliges Farmerhaus und komplett aus Holz gebaut. Die nette Dame erklärt uns in Englisch, dass hier früher vieles angebaut wurde für den Export. Sie hielten auch Sklaven und die Menschen führten ein hartes und einfaches Leben. Wir bewegen uns durch die Räume und entdecken Karten von alten Expeditionen, einfache Werkzeuge, Fotografien der Menschen und ihre damaligen Lebensräume wie Schlafzimmer und einen Tante-Emma-Laden. Hin und wieder fliegt uns eine Fledermaus über den Kopf hinweg. Durch die Fenster sehen wir den Fluss und spüren, dass er eine bedeutende Rolle spielt.

Den Abend genießen wir den schattigen Pavillon, beobachten wie die Fischer rausfahren und mit den aufkommenden Mücken verziehen wir uns jeweils ins Innere unseres kleinen Heims. Doch die Rückkehr der jungen Fischer wird eine lautstarke Angelegenheit. Die übermüdete Truppe hängen ihre Hängematten im Pavillon direkt neben uns auf und sind so aufgedreht, dass sie bis in die frühen Morgenstunden lautstark Palavern und in einer auffallenden und unüberhörbaren Art und Weise Lachen. Kein Schlaf ist möglich und wir entscheiden am Morgen weiterzufahren.

Die Holzkirche von Regina und dem für uns ungewöhnlichen Fachwerk
Das Museum des Ortes
Der Krämerladen vom 18. Jahrhundert
Unser Schlafplatz mit dem Pavillon
Abkühlung im Fluss
Am nächsten Morgen hat die Bäckerei geöffnet

Überraschung auf der Fahrt

Wir fahren hinter unseren Freunden her, plötzlich bleibt Pascal mit der Warnblinke mitten auf der Straße stehen. Ein junges Faultier ist soeben dabei, diese reich  befahrene Hauptverkehrsader zu überqueren. Wir sorgen dafür, dass dies in Sicherheit und Selbständigkeit geschehen kann und erfreuen uns an der Nähe und seinem possierlichen Anblick. Tatsächlich schafft er es auf den Baum in großer Höhe und seine Verschnaufpause nutzen wir, um uns von ihm zu verabschieden.

Das Dreifinger- Faultier überquert beschützt die Straße
Es hat es auf den Baum geschafft
Ein letzter freundlicher Blick bevor wir weiterziehen

Besuch eines Laotischen Dorfes – Cacao

Wir erreichen Cacao am Mittag und spüren sofort: dieses Hmong- Dorf ist etwas Besonderes, eine Geschichte von Flucht, Neubeginn und unglaublicher Entschlossenheit.

Die Geschichte der Hmong beginnt in den späten 1970er Jahren, als aus Laos nach dem Vietnamkrieg viele Hmong fliehen mussten. Frankreich bot mehreren Hmong-Familien eine neue Heimat an- und so kamen 1977die ersten Gruppen nach Französisch- Guyana. Die Regierung wies ihnen ein Gebiet tief im Regenwald zu, das später Cacao genannt wurde. Von Anfang an lebten die Hmong hier sehr isoliert, aber sie brachten etwas mit, dass ihr leben in Cacao bis heute prägt: ihr Wissen über Berglandwirtschaft und Gemüseanbau.

Mit unglaublicher Ausdauer rodeten sie kleine Bereiche des Waldes, legten Gärten und Felder an und bauten genau das an, was sie aus Laos kannten- nur angepasst an das tropische Klima: Frische Kräuter, Gurken, Kohl, Salate, Bohnen, asiatische Sorten…

Wir schlendern am Sonntag über den Markt und erkennen sogleich das sortierte Gemüseangebot. Auch Frühlingsrollen und andere frittierte laotische Köstlichkeiten wandern in unsere Taschen. Und wir stellen fest: Das Gemüse schmeckt wirklich aromatisch frisch. Nur die Tomaten für 8€ das kg verkneifen wir uns.

Der Markt der Hmong
Das aktuelle Gemüse- Obstangebot
Hier schmeckt die Gurke auch nach Gurke
Wir kaufen unser Mittagessen

Es gibt einen neuen Markt, dieser mit Gemüse und einen alten Markt mit Kunsthandwerk. Auch hier schlendern wir durch, warten den Starkregen unter dem Dach ab und entdecken auf dem Weg durch das Dorf eine interessante Töpferei, bei der wir eine neue Töpferart kennenlernen. Es wird auf den Ton eine Masse mit Spachtel vor dem brennen aufgetragen und geformt. Sehr spannend.

Wir stehen schön am Fluss im Schatten. Der Fluss eignet sich nicht zum Baden, denn er ist durch Goldgräbertätigkeit in der Nähe mit Quecksilber verseucht.

Ansonsten genießen wir den schattigen Platz und bekommen am Abend eine kostenlose laotische Karaoke-Präsentation:)

Auf dem alten Markt finden wir Touristen Acessorios
Die Töpferei
Die Glasur wird auf den ungebrannten Ton gestrichen
Und geformt!

Der Einkauf in einem Supermarkt ist mal wieder eine Freude. Es gibt herrlichen Käse und andere Leckereien, wir decken uns ein. Die Tage vergehen an unterschiedlichen Stellplätzen am Atlantik und mit einem Stadtbesuch in Cayenne. Die feuchte Atlantikluft hängt warm über den Straßen und die bunten kreolischen Häuser wirken, als würden sie ausruhen. Wir schlendern durch die schmalen Gassen, vorbei an Veranden aus Holz, die vom tropischen Wetter gezeichnet sind und der Stadt ihren charakteristischen Charme geben. Und wir sind nun da, wo der Pfeffer wächst! 😉Tatsächlich hat der Cayennepfeffer seinen Namen von der Stadt, denn vom Hafen Cayennes wurde er im 15./16. Jhd. nach Europe, Afrika und Asien verschifft. Irrtümlicherweise ist es auch kein Pfeffer, sondern eine besondere Chilischote, die zu Pulver verarbeitet werden. Die Chilischoten wachsen nicht nur hier, sondern auch in Nordbrasilien, Guyana, Peru, Mexiko und auch in der Karibik. Und wir würzen sehr gerne mit diesem scharfen Gewürz.

Wohnhaus des Präfekten der Stadt
Schöner Holzbaustil

Wir bleiben rund um Cayenne, denn hier im Umkreis befindet sich auch die Express Post.

Und erstaunlicherweise ist die Express Post tatsächlich schnell. Innerhalb von 5 Tagen konnten wir das Päckchen entgegennehmen. Das ist das Kontrastprogramm zu unserem Päckchen auf die Baja California, das acht Wochen benötige.

Auf der Rückfahrt stellen wir fest: Der Luftdruck unserer Emma baut sich nicht mehr schnell und vollständig auf. Unsere Bremsen funktionieren ab 6 Bar, und wir kommen zusätzlich in einen Stau. Die roten Lampen im Display signalisieren deutlich, stehen bleiben. Zum Glück ist die Truck Werkstatt nicht weit und wir schaffen es gerade noch hin. Obwohl sie eigentlich geschlossen hatten wurde uns geholfen und die Ursache entdeckt. Ein Verbindungsschlauch zum Kompressor ist defekt! Es gibt kein Ersatzteil! Was tun?

Die Mitarbeiter kümmern sich tatsächlich noch darum, dass ein Subunternehmer kommt und diesen passgenau anfertigt. Wir sind sowas von erleichtert und danken dem tollen Team der Renault und Mercedes Truck Werkstatt!

Juhuu, das Päckchen ist angekommen. Bald gibt es wieder eigenes Trinkwasser!
Eine Schlauchleitung zum Kompressor ist undicht
Ein Subunternehmer fertigt einen Neuen an

Hitze, Schwüle, Sandflöhe, Moskitos und Co

Der einzige Nachteil an unserem Strandplatz sind die Moskitos und Sandflöhe. Allesamt werden wir ziemlich zerstochen. Der Atlantik ist aufgewirbelt und braun, trotzdem lädt es die Männer und Kinder zum Schwimmen ein. Wir Frauen beobachten lieber, irgendwie macht uns das Wasser nicht so an. Doch der Strand ist herrlich (mit Mückenspray). Auch ein Mangroven- Pfad ist angelegt und wir staunen über die Größe der Mangroven und ihrem sichtbaren Wurzelwerk.

Andy hat leider viele Stiche abbekommen und sie fangen an sich zu entzünden. Wir handeln sogleich mit antibakterieller Salbe, doch die Stiche verschlimmern sich. Es zieht sich ein paar Tage hin bis der Fuß mit 4 entzündeten Stichen so anschwillt und dunkelrot verfärbt, dass ein Arztbesuch nötig ist. Wir sind im Wartezimmer die einzigen unter Kreolen. Die zwei Stunden Wartezeit gestalten sich kurzweilig, denn wir beobachteten bei Müttern mit ihren Kindern einen sehr herzlichen und amüsanten Umgang.

Auch der Arzt hat alles erst genau begutachtet, die übersetzte Information von Andys  Diabetes sowie dem Entstehungsprozess durchgelesen und die Medizin verschrieben. Ein Antibiotikum ist erforderlich, da es sich um eine bakterielle Infektion handelt.

Doch der Fuß entwickelt sich trotz der verschriebenen Behandlung weiter besorgniserregend. Wir beschließen noch ins Krankenhaus in Kourou zu fahren und das ist eine gute Entscheidung. Nun darf ich meine Fahrkunst unter Beweis stellen.

In der Notaufnahme treffen wir auch auf besorgte Gesichter, nachdem die Wunden begutachtet werden. Das Rezept wird nachgebessert und die Wunden professionell behandelt. Auch die darauffolgenden Tage bekommt Andy die Wunden morgens versorgt. Am Wochenende ist Pause. Das Antibiotikum wirkt und die Wunden heilen langsam ab. Da ist Andy knapp einer Sepsis entgangen. Große Erleichterung stellt sich bei uns und unserer Familie und Freunden ein.

Am Atlantik
Das Krankenhaus von Kourou
Insgesamt 15 entzündete Stiche müssen behandelt werden
Heilungshemmendes entzündetes Fleisch wird mit dem Skalpell entfernt

Ein toller Tag!

Wir sind eingeladen, denn Nienke wird 8 Jahre alt. Herrlich die Freude der Kinder bei Schatzsuche und Co. zu erleben. Wir essen zusammen, singen, lachen und freuen uns an dem herrlichen Tag im Schatten des Bambus. Wir schenken Nienke einen Ausflug in den Zoo de Guyana und das gemeinsam mit ihrer Schwester. Am nächsten Tag geht es los.

Wir stehen am Eingang des Zoo de Guyane und die Kinder hüpfen schon ungeduldig neben uns her. Zwischen hohen Bäumen, Vogelrufen und feuchter Hitze wirkt der Zoo eher wie ein Stück Regenwald als ein typischer Tierpark – und genau das macht ihn so spannend.

Während wir loslaufen erzählen wir den Kindern die Geschichte des Zoos. Der Zoo de Guyane entstand aus einer alten Papageienstation, in der verletzte oder beschlagnahmte Vögel gepflegt wurden. Nach und nach kamen immer mehr Tiere dazu: gerettete Affen, verletzte Jaguare, bedrohte Reptilien und sogar eine am Flügel angeschossene Harpie.  Schließlich beschloss man, all das in einen richtigen Zoo zu verwandeln – nicht als Attraktion, sondern als Schutz- und Lehrort mitten im tropischen Wald. Heute ist der Zoo eine Mischung aus Auffangstation, Forschung und Naturerlebnis.

Wir schlängeln uns über schwankende Holzstege, erfreuen uns besonders an den flinken Kaiserschnurrbarttamarin und staunen über die riesige Harpie, einer der größten und stärksten Greifvögel  der Welt. Mit einer Körpergröße von 1m und einer Flügelspanne von 2m wirklich beeindruckend. Ob die Capybara, Aras, Kaimane oder unterschiedlichste Arten von Affen, es ist auch für uns faszinierend. Vor allem haben wir auch zum ersten Mal den schwarzen Jaguar gesehen.

Auf dem Weg zur Emma diskutieren wir heftig, wer der größte Held des Nachmittags war: Die lautstarken Aras, die amüsanten Affen oder der schwarze Kaiman…oder doch ein ganz anderes faszinierendes Tier.

Wir feiern Nienkes 8. Geburtstag
Ein Kaiserschnurbart- Tamarin
Ein Siamang gehört zur Familie der Gibbons
Ein müder Capybara (Wasserschwein)
Eine Harpyie, in Natur selten zu sehen. Dieser hat seinen Flügel angeschossen bekommen.
Wir hangeln uns auf Hängebrücken in Gipfelhöhe der Bäume entlang
Ein Weißbrusttukan, schade dass er nicht in Freiheit leben kann, da er verletzt ist.

Zwischen Raketen und galaktischen Erkenntnissen

Wir betreten das Raumfahrtmuseum „Musee de iÈspace“ in Kourou mit dem festen Vorsatz, heute nicht abzuheben – aber mal sehen, was der Tag bringt. Auf jeden Fall haben wir in diesen klimatisierten Räumen etwas Erholung von der feuchten Hitze draußen. Schon im Eingangsbereich begrüßt uns eine Ariane 5-Rakete im Maßstab „Beeindruckend-bis-einschüchternd“.

Innen warten interaktive Bildschirme auf uns. Wir tippen, wischen, drücken Knöpfe – und erfahren, wieviel Präzision nötig ist, damit eine Rakete überhaupt die Erde verlassen kann. Wir fühlen uns für ein paar Minuten wie hochqualifizierte Raumfahrtingenieure, wenn nur nicht so viel Physik dabei wäre.

Dann stehen wir vor einem gigantischen Satellitenmodell. Es sieht ein bisschen aus wie ein überdimensioniertes Küchengerät mit Solarpaneelen, aber wir erfahren, dass es tatsächlich ziemlich wichtig ist: Ohne diese Dinger wüssten wir nicht, wo wir sind – könnten unsere Familien nicht erreichen oder die nächsten Ziele planen. Auch ein Wirrwarr aus Metall mit Schrauben und Rohren entpuppt sich als Triebwerk und Andy begutachtet es mit technischem Auge. Für mich ist das eher ein unüberblickbarer Metallhaufen.

Im Museum lernen wir auch, warum die Raketen ausgerechnet hier starten und nicht bei uns um die Ecke. Kurze Version: Am Äquator bekommt man beim Start mehr Schwung.

Selbstgemalte Raketen starten in den Weltraum, das ist eine tolle Idee und begeistert auch die Kinder. Doch vieles ist nur in Französisch, wo es doch ein europäischer Bahnhof ist und etliche Summen aus Europa dazu fließen. Eine englische Übersetzung ist oft dabei, wenn auch etwas kleiner.

Zum Abschluss landen wir im kleinen Planetarium. Die Sterne, Planeten der Milchstraße und Meteoriten die auf uns zuschießen beeindrucken uns auf dem Boden liegend…. Als wir wieder rauskommen, schauen wir vorsichtshalber in den Himmel – nur zur Sicherheit.

Auf dem Rückweg sind wir uns einig: Das Museum fühlt sich an, als wären wir für ein paar Stunden Teil der Raumfahrtfamilie gewesen. Nur ohne fliegende Schrauben, gefährliche Knöpfe und Schwerelosigkeit.

Nur nicht auf die leichte Schulter nehmen!
Die Rakete stimmt uns ein
Der europäische Weltraumbahnhof
Das blaue halbrunde Zelt ist das Planetarium
Das Triebwerk einer Rakete

Der Countdown läuft – die VV28 hebt ab – Live

Jetzt stehen wir also tatsächlich im Lancement-Bereich, bereit für den Start der Vega-Mission VV28, die heute einen Satelliten für Südkorea ins All schickt. Es fühlt sich ein bisschen an wie ein VIP-Event – nur dass der Star des Abends 30 Meter hoch ist, orange glüht und keinerlei Autogramme gibt.

Um uns herum herrscht konzentrierte Aufregung. Manche Leute wirken professionell, andere sehen aus wie wir: so, als wären wir bereit, jeden Moment selbst in den Himmel zu fliegen.

Der Countdown beginnt.

10… 9… 8…

Wir merken, trotz sengender Hitze, wie die Anspannung steigt.

5… 4… 3…

Zu spät für Rückzieher – zum Glück wollen wir eh keinen.

2… 1…

Und dann: Die Welt macht kurz ‚WOOOOSH‘.

Ein gleißender Lichtstrahl schießt aus dem Triebwerk, die Vega hebt ab, als hätte sie schon den nächsten Termin im Kalender. In der Hitze der Startflamme sehen wir den Tropenboden vibrieren – vielleicht vibrieren aber auch einfach nur wir.

Der Schalldruck erreicht uns mit leichter Verzögerung, aber dafür umso kräftiger. Es fühlt sich an, als würde jemand tief im Inneren unseres Brustkorbs einen Gong schlagen, den wir ganz sicher nicht bestellt haben. Ich bekomme Gänsehaut nur vom Sound der so gewaltig ist, dass dieser durch den Körper dringt. Wir blicken einander an – halb sprachlos, halb ungläubig – und kommen zu derselben Erkenntnis: Raketenstarts sind nicht nur laut, sie sind eine von Menschen entwickelte technische Wucht. Während die Vega höher und höher steigt und schließlich nur noch ein funkelnder Punkt am Himmel ist, stehen wir weiterhin einfach da und lassen die Stille nach dem Donner wirken. Auf der Leinwand werden aus dem All die verschiedenen Stufen der Raketen live übertragen, bis der Satellit genau über Südkorea platziert ist.

Es dauert eine Weile, bis einer von uns trocken sagt:

„Also… diese Möglichkeit hat man, wenn, auch nur einmal in seinem Leben.“

Ein echter Raketenstart ist eben nichts, was man so einfach abschüttelt. Der bleibt im Kopf, im Bauch und vielleicht auch ein bisschen im Herzen.

Doch es gibt auch einige kritische Aspekte: Insgesamt „frisst“ die Vega-Rakete beim Start rund 120 -130 Tonnen Treibstoff, also etwa das Gewicht von 25-30 Elefanten, und diese Tonnen werden in Sekunden verbrannt.  Auch die Materialien, das Triebwerk… all das verglüht dann nach einem Start in der Atmosphäre. Was für eine Verschwendung! Im Vergleich verbrauchen 6 Familien in ihrem ganzen Leben dieselbe Masse an Verbrennungsprodukten.

Sie ist schnell, diese Vega. Sie erreicht 28.000 Km in einer Stunde. In der Oberstufe steigt sie in 1 Sekunde 8 km hoch, das würde bedeuten, dass sie in 1 1/2 Stunden um die Erde fliegen könnte. Das sind doch unglaubliche Zahlen. Ziemlich erfüllt lassen wir uns vom Bus wieder zurückbringen und nun die Bilder Sprechen.

Suriname – eine spannende Geschichte prägt dieses Land

Wir reisen ein in das uns unbekannte Land Suriname, das kleine, vielfältige Land an der Nordküste Südamerikas. Die Einreise gestaltet sich etwas kompliziert. Erst müssen wir in Saint- Laurent-du-Maroni noch auf der Seite von Französisch- Guyana auf das Konsulat von Surinam. Dort bezahlen wir das Visum und erhalten eine Seite, um online unseren Antrag zu stellen um einen Barcode zu erhalten. Mit diesem Code geht es weiter zur Fähre, um einen Platz über den Grenzfluss zu ergattern. Gerade noch rechtzeitig vor der Schließung erreichen wir dann in Suriname die Bank, um unsere Versicherung für Emma zu kaufen. Mit dieser und unserem Barcode geht es zum Migrationsschalter. Wir bekommen einen Stempel und unsere Fahrzeuge erhalten nun auch die Erlaubnis einzureisen. Geschafft!!!

Das Konsulat von Suriname
Wir bekommen den Stempel
Wohin geht es zur Fähre?

Suriname hat eine außergewöhnliche Geschichte, die von indigenen Kulturen, Kolonialmächten und einer einzigartigen Mischung von Völkern geprägt ist. Wir möchten kurz darüber schildern.

Lange bevor Europäer ankamen, lebten hier verschiedene indigene Gruppen wie die Arawak und die Kariben. Sie nutzten die Flüsse als Verkehrswege, jagten im dichten Regenwald und entwickelten ihre ganz eigenen Traditionen und Sprachen.

Im 17. Jahrhundert begann der Wettlauf der Kolonialmächte. Zuerst waren die Engländer dort, doch 1667 tauschten England und die Niederlande Suriname gegen New York (damals „Nieuw Amsterdam“). So wurde Suriname eine niederländische Kolonie.

Mit europäischen Plantagenbesitzern kam der Anbau von Zucker, Kaffee, Kakao und Baumwolle – allerdings auf brutale Weise: Durch die Verschleppung afrikanischer Sklaven, die unter extrem harten Bedingungen arbeiten mussten. Viele flohen tief in den Regenwald und gründeten dort unabhängige Gemeinschaften – die Marrons, die bis heute ihre eigene Kultur bewahren.

Nach der Abschaffung der Sklaverei 1863 brauchten die Plantagen neue Arbeiter. Allerdings erst 10 Jahre später, so waren die Vereinbarungen. So kamen:

  • indische Vertragsarbeiter aus Britisch-Indien,
  •  javanische Arbeiter aus Indonesien,
  • später auch Chinesen.

Diese Mischung machte Suriname zu einem der kulturell vielfältigsten Länder der Welt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der Wunsch nach Selbstbestimmung. 1975 wurde Suriname schließlich unabhängig von den Niederlanden. Viele Menschen wanderten damals in die Niederlande aus – bis heute leben dort mehr Surinamer als im eigenen Land.

Heute ist Suriname ein friedliches Land, geprägt von:

• beeindruckender Natur (80 % Regenwald),

• ethnischer Vielfalt (Hindustani, Kreolen, Maroons, Javaner, Chinesen, Indigene),

• Sprachen wie Niederländisch, Sranan Tongo und Dutzenden lokaler Sprachen

Dies hat uns sehr beeindruckt, auch die Erkenntnis, dass Moscheen friedlich neben Synagogen stehen und hinduistische Tempelanlage unweit eines buddhistischen Klosters und christliche Kirchen in allen Größen und Stilen. Ein Land, in dem  Glaubensfreiheit sichtbar gelebt wird.

Wir sind in Suriname
Wohnhäuser
Eine einspurige Brücke

Zwischen Rost und Erinnerungen – unser Besuch in Marienburg

Wir stehen am frühen Nachmittag am Ufer des Commewijne-Flusses, die Luft warm und schwer, und blicken auf die Überreste von Marienburg, einst die mächtigste Zuckerfabrik Surinames, 1745 gegründet. Von weitem ragt noch der alte Schornstein auf – ein rostiger Finger, der stumm in den Himmel zeigt. Wir steigen aus, neugierig auf das, was hinter den hohen Gräsern verborgen liegt.

Mit unserem Guide gehen wir an dickwandigen Eisenkessel vorbei, halb von Lianen umschlungen, stehen sie im Gras wie vergessene Dinosaurier. Alte Schienen führen ins Nichts, als würden sie noch auf die nächste Zuckerrohrladung warten. Wir gehen langsam weiter, jeder Schritt ein Knirschen von alten Steinen und kleinen Scherben, die die Vergangenheit nicht loslassen will.

„Und hier haben tausende Sklaven gearbeitet – hart, jeden Tag.“ Trotz der Abschaffung der Sklaverei 1863 mussten die „Sklaven“ noch 10 Jahre weiterarbeiten. Danach verließen die meisten der Sklaven die Plantagen. Es kamen Arbeiter aus Indien, Java und China. Die Zuckerfabrik tat sich schwer und 1986 schloss sie endgültig.

Wir gehen unter einem verbogenen Wellblechdach hindurch, in dem die Sonne helle Löcher brennt. Der Wind pfeift leise zwischen den Metallplatten. Für einen Moment können wir uns vorstellen, wie laut es hier früher gewesen sein muss: Maschinen, die dröhnen, Kessel, die fauchen, und der süßliche Geruch von frischem Zuckerrohr.

Dann stehen wir vor dem Ort, an dem 1902 der berühmte Arbeiteraufstand seinen tragischen Höhepunkt hatte. Ein kleines Denkmal erinnert an die Männer, die hier ihr Leben verloren. Wir merken, wie die Geschichte plötzlich ganz nah ist. Die Sonne brennt, Vögel rufen aus den Mangobäumen, aber in unseren Gedanken hören wir die Schritte der Arbeiter, das Rufen, die Unruhe von damals.

Wir setzen uns kurz auf eine alte Mauer, trinken Wasser und lassen die Stimmung auf uns wirken. Marienburg ist keine normale Ruine – es ist ein Ort, an dem Natur und Vergangenheit gemeinsam weiterschreiben. Überall ranken Pflanzen über die Mauern, und doch spürt man, wie viel Bedeutung hier noch lebt. Es ist, als ob das alte Fabrikgelände flüstert: Vergesst uns nicht.

Hier können wir übernachten
Wir bekommen eine Führung durch die Zuckerfabrik Marienburg
Zerfallene Gebäude
Ausgebeinte Fabrik
Der Dschungel überwuchert die Geschichte
Das Denkmal an den Arbeiteraufstand 1902
Denkmal der Javaner, die hier ankamen
Ein Platz der Erinnerungen an die Geschichte Marienburgs.

Ein Tag im Fort Nieuw Amsterdam

Seit dem 18. Jahrhundert ist hier auf dem Gelände des Fort Nieuw Amsterdam ein Standort voller Geschichten. Es liegt strategisch gut an den Flussmündungen, kontrollierte diese und den Zugang zu Paramaribo und die Plantagen im Hinterland. Strategische Härte und militärische Pflicht, oft unmenschliche Bedingungen können wir in der Stille des Geländes erahnen. Breite Wege führen durch große Bäume, wir begegnen Kanonen, die wie Zeitzeugen dastehen. Im alten Gefängnis erfahren wir mehr von den unterschiedlichsten Völkern, die hier als Soldaten und Sklaven verzweifelt versucht haben, das reiche Plantagenland besonders gegen die Franzosen, Piraten und rivalisierenden Kolonialmächten zu schützen. Im alten Pulvermagazin herrscht eine Kühle, die wir sofort willkommen heißen. Die dicken Mauern und winzigen Fenster lassen uns erahnen, wie wichtig dieses Gebäude war.

Ein Krankenbereich hat ebenso winzige dunkle Zellen, die eine Genesung schlicht unmöglich machen. Javanesen, Inder, Chinesen, Afrikaner,  Brasilianer und indigene Surinamer, die Marrons, haben hier gekämpft, auch um ihr Überleben. Der Grundstein für das heutige bunte kulturell vielseitige Land Suriname.

Fort Nieuw Amsterdam
Kanonen als Zeitzeugen
Im Hospital die Krankenzelle
Das Gefängnis
Das Pulverhaus

Mini möchte Zuwendung

Family everywhere haben mit ihrem Gefährt Mini etwas Probleme. Der Motor wird zu heiß, denn die Zylinderkopfdichtung ist undicht. Nach dem Einbau des neuen Thermostatventils mit zusätzlicher Bohrung, damit die Abgase im Kühlmittel entweichen können, konnte das Problem leider nicht vollständig behoben werden. Pascal und Andy schneiden auch eine neue Dichtung für das Gehäuse des Thermostatventil zu. Die alte Dichtung ging kaputt. Doch die nächste LKW- Werkstatt liegt über 1000 km entfernt in Brasilien, in Boa Vista. Die Hoffnung ist groß, dass sie es mit dieser Aktion schaffen. Und wir hoffen mit ihnen.

Eine Dichtung für das Thermostatventil wird zugeschnitten

Paramaribo, UNESCO-Weltkulturerbe mit Kolonialcharme

Im „Stopp and Go“ erreichen wir in 11/2 Stunden das Zentrum der Hauptstadt, und was wir nicht für möglich gehalten haben, wir finden tatsächlich zwei Parkplätze für unsere Trucks. Es ist schon Mittagszeit und wir entscheiden uns für Javanische Küche, um uns vor der Stadtbesichtigung zu stärken. Paramaribo schmeckt nach der ganzen Welt: indisch, javanisch, kreolisch, chinesisch – da können wir uns an nur einem Tag nicht durchessen. Es schmeckt sehr gut und hat uns für kurze Zeit nach Indonesien zurückversetzt.

Die Holzarchitektur der Altstadt wirkt, als würde sie uns etwas über die jahrhundertalte Geschichte erzählen. Weiß gestrichene Fassaden, filigrane Veranden und bunte Fensterläden – kein Wunder, dass das historische Zentrum UNESCO- Weltkulturerbe ist. Wir gelangen in den städtischen Palmenhain. Unter den hohen Königspalmen breitet sich ein ruhiger grüner Park aus, in dem die Zeit etwas langsamer zu laufen scheint. Von hier aus sehen wir den Präsidentenpalast- eine helle, elegante Holzvilla.

Die historischen Holzhäuser
Königspalmen-Garten mitten in der Stadt
der Präsidentenpalast

Wir schlendern Richtung Waterkant, wo der Suriname- Fluss breit und ruhig vorbeizieht. Die niederländische Königin Wilhelmina steht neben dem Fort Zeelandia mit Blick auf den Fluss, nur ist heute das Fort geschlossen. Macht nichts, wir erhaschen trotzdem einen Blick in den fünfeckigen Innenhof. Schaukeln laden zum Verweilen ein und wir genießen die bunten Boote vor uns auf dem Wasser.

Ein Blick in den fünfeckigen Innenhof vom Fort Zeelandia
Eine kleine Pause

Später wagen wir uns in die lebendigeren Viertel. Märkte mit Heilkräutern und medizinischen Getränken, geflochtenen Körben, Gewürzen und Gemüse. Wir merken, Paramaribo ist nicht nur historische Kulisse – es ist eine Stadt, die pulsiert, wächst und sich ständig neu erfindet.

Medizin- und Kräutermarkt
Straßenstände
St.- Peter- und- Paul- Kathedrale

Zum Abschluss des Tages sitzen wir am Fluss, ein kühles Getränk in unserer Hand und leichtes Gelächter um uns herum. Ein Leguan spaziert gemütlich hinter uns vorbei auf einer Mauer. Wir verabschieden uns von Paramaribo mit seinem Rhythmus: entspannt, warmherzig und voller Leben.

„Doei“ (niederländisch Tschüss) Paramaribo

Kühlende Auszeit am Atlantik

Von anderen Traveller haben wir von diesem Platz gehört. Hier in Zeedjik Coronie direkt auf dem Damm bläst eine ordentliche Brise, die uns Erholung von der Bruthitze verleiht. Wir entdecken scharlachrote Sichler, Habicht und Reiher und sind beeindruckt vom Tidenhub. Um Bewegung zu haben besuchen wir den Ort, der sich wie in einer Hitzeblase befindet. Schnell wieder auf unseren windigen Damm um die Vögel bei Ebbe zu beobachten. Das Wasser sieht extrem braun aus und lädt ganz und gar nicht zu einer Berührung ein. Für Andy besteht eh erstmal ein Wasserverbot in Flüssen, Meer und Co. Die Stiche heilen zum Glück weiter ab. Wir erleben viele Besucher und amüsieren uns über ihre fotogene Posen.

Farbenprächtiger Scharlachsichler
Vor 10 Minuten waren wir noch allein
So herrlich amüsant!

Auf zur Bootstörn zwischen Mangroven, Pfahlbauten und Flamingos

Ab Punkt 8.00 Uhr starten wir unsere Bootstörn mit Randy als Guide. Die Luft ist noch frisch, das Wasser ruhig und schon nach den ersten Metern merken wir, dass heute ein besonderer Morgen wird. Das Ufer liegt hinter uns, jetzt beginnt das große Beobachten. Randy hat gute Augen, doch auch sechs Paar Augen zusätzlich lässt uns einiges Entdecken. Ein Drosseluferläufer huscht am schlammigen Rand entlang, so flink, dass wir kaum mitkommen. In den Bäumen und Mangroven sitzen immer wieder Fischbussarde schrecken durch uns auf, ziehen elegante Bögen, immer auf der Suche nach einem Fang.

Zwischen und auf den Mangroven entdecken wir Krabben- und Mangrovenreiher, die regungslos warten, als wären sie Teil des Wurzelwerks. Und dann- blitzschnell- ein King Fisher! Er schießt wie ein blauer Pfeil über uns hinweg und wir erhaschen ihn auf einem Ast in Lauer Position. Wir tauschen begeisterte Blicke aus. Wenn der Tag so beginnt, kann er nur großartig werden.

Gegen Mittag steuern wir die Pfahlbauten von Bigi Pan an. Sie stehen im Wasser wie kleine Holzinseln, ruhig und einladend. Wir legen an, packen unser eigenes Vesper aus und genießen den Moment. Dazu gibt es kalte Getränke, Tee oder Kaffee und wer möchte kann in den Hängematten chillen. Das leichte Schaukeln, der Blick ins Grün, das ferne Rufen der Vögel- ein toller Platz um zu Verweilen.

Durch diesen schmalen Kanal geht es nun.
Und wir entdecken jede Menge Vögel. Einer von vielen Fischbussarde
Der Rotbrustfischer, einer der größten Eisvögel Amerikas.
Nachtreiher am Tag
Der Mangrovenreiher passt an diesen Ort
Die Pfahlbauten von Bigi Pan
Hier machen wir Pause
Die Seele baumeln lassen

Doch es wartet noch ein Höhepunkt. Gemeinsam mit unserem Guide Randy fahren wir weiter, an den Rand der Lagune. Der Motor wird leiser, dann ganz ausgeschaltet. Wir erkennen schon einen rosa Streifen von hunderten Flamingos und ihr typisches „Quäken“ und „nasales Trompeten“ ertönt. Ganz vorsichtig schiebt er uns im Wasser stehend auf die Gruppe der Flamingos zu und wir sind begeistert und fotografisch voll im Einsatz. Wenn sie wegziehen bleibt er sofort stehen. Die Population ist leider von 2000 auf 500 gesunken, da ihnen in einem Inselstaat vor Venezuela die Flügel gestutzt werden, damit sie dortbleiben.

Wir treiben dort eine Weile, ganz ohne Motor, ganz ohne Geräusch – nur wir mit family everywhere, Randy und die Flamingos. Ein Moment, der sich tief einprägt.

Randy unser Guide
Ein Ausschnitt der 500 – 600 Flamingos

Warten, warten, warten

Wir kommen am frühen Abend am Fährhafen an. Einige Trucks stehen auf der rechten Seite und die Fahrer teilen uns mit, wir müssen uns hinten einreihen. Zum Glück kommt ein Mitarbeiter des Hafens und empfiehlt uns links vor die Schranke zu stehen, dann würden wir morgen als die Ersten auf der Fähre mitkommen. Um 7:00 Uhr sei der Ticketverkauf. Gesagt getan. Um 6.45 Uhr stehen wir am Büro, es ist verschlossen und ein anderer Mitarbeiter meint, es öffnet um 8.00 Uhr. Wir warten, doch eine Stunde später geschieht auch nichts. Wir warten weiter. Um 10.00 Uhr fragen wir nochmals und bekommen die Auskunft, dass der Motor der Fähre kaputt sei. Es ist nicht sicher, ob sie morgen überhaupt fährt. Um 11.00 Uhr kommt ein Mechaniker mit Ersatzteilen an. Das Warten setzt sich fort. Die Sonne knallt herunter, es gibt kaum Schatten. Irgendwie ist die Zeit dann doch vergangen und plötzlich bewegt sich am Nachmittag etwas. Wir können die Tickets erwerben. Anscheinend soll es heute noch über den Grenzfluss nach Guyana gehen. Wir warten wieder. Um 15.00 Uhr hören wir die Fähre, sie wird von einem Schlepper geschoben. Doch der Schlepper benötigt 5 Anläufe um auf dem strömenden Fluss richtig anzulegen. Es ist 16.00 Uhr. Endlich hat er es geschafft und wir können auf einer kurvigen schmalen Strecke rückwärts auf die Fähre fahren. Nun wird sie über den Grenzfluss nach Guyana vom Schlepper geschoben. Doch er kann wegen der starken Strömung nicht so anlegen, dass wir vorwärts herunterfahren können. Doch es gibt noch ein anderes Problem zu lösen. Um überhaupt herunterzukommen muss der Motor laufen, damit die Rampe heruntergelassen werden kann. Mittlerweile wird es dunkel. Endlich nach 19.00 Uhr bewegt sich die Rampe und wir fahren wieder rückwärts im Stockdunklen auf einer noch kurvigeren Strecke herunterfahren. Jetzt beginnen die Einreiseformalitäten die wir dann auch noch schaffen und um 21.00 Uhr stellen wir uns auf den Parkplatz vor dem Gelände und verschnaufen erst einmal. Bald fallen wir in einen tiefen Schlaf nach diesem aufregenden Tag.

Zuerst stellen wir uns hinter die anderen Trucks
Dann reihen wir uns an erster Stelle ein
Nach stundenlangem Warten tut sich was
Am späten Nachmittag geht es endlich die nur 500m über den Fluss.
Erst bei Dunkelheit geht es wieder von der Fähre, auch rückwärts.
Fischer holen ihre Netze ein.

Wir campieren sicher auf dem Messegelände der Stadt und lassen uns mit dem Taxi in die Altstadt fahren. Unser erster Weg führt zur St.- George`s- Kathedrale. Die große anglikanische Holzkirche ragt eindrucksvoll in den Himmel und zählt zu den höchsten Holzkirchen der Welt. Leider sind die Tore verschlossen. Wir hätten uns gerne einen Eindruck verschafft und die Kühle und Ruhe genossen.

Nur wenige Schritte weiter tauchen wir in das bunte Treiben des Stabroek Marktes ein. Unter dem markanten Uhrenturm verkaufen Händler frisches Obst, Gemüse, Fisch und Gewürze. Stimmengewirr, Gerüche und Farben vermischen sich zu einem lebendigen Bild. Wir bleiben stehen, beobachten das Wirken der Menschen und nehmen die Stimmung in uns auf.

Am High Court (dem höchsten Gericht) wird es wieder ernster. Das Gerichtsgebäude mit seiner kolonialen Architektur erinnert daran, wie stark britische Einflüsse Guyanas Geschichte geprägt haben.

Die Justitia ohne Waage?

Besonders faszinieren uns die alten Holzhäuser, viele übertrieben gebaut, mit Anlehnung an den Kolonialstil. Manche sind liebevoll gepflegt, andere tragen deutlich die Spuren des tropischen Klimas. Veranden, verzierte Fensterrahmen und breite Dächer geben der Stadt ihr unverwechselbares Gesicht. Doch auch die anderen, vermüllte Ecken sind nicht zu übersehen, der Lärm und die Gesichter die uns eher kritisch beäugen lassen uns bald wieder zurückkehren.

Der Verkehr ist geregeltes Chaos 🙂
Obststände am Straßenrand

Abenteuer Rupununi Road

Wir sind auf der Rupununi Road von Linden nach Lethem unterwegs. Nun geht es in Richtung brasilianische Grenze. Diese Strecke zeigt uns gleich ihr raues Gesicht. Regen hat die Strecke in eine einzige Matschpiste verwandelt. Das wollten wir eigentlich verhindern, doch nun hat es uns voll erwischt. Tiefe Pfützen tarnen Löcher, in denen Emma und Mini gefährlich schaukeln. Schlamm spritzt bis an die Fenster, jeder Meter verlangt volle Konzentration.

Am Teufelshügel geht es plötzlich nicht mehr weiter. Ein liegengebliebener Anhänger blockiert die gefährliche Passage. Steil, rutschig und lang ist der Hügel und wenn man zu nah an den Rand kommt, kann das Fahrzeug kippen. Ein Brasilianer kommt mit seinem Auflieger und hängt den Anhänger an. Er muss erst rückwärts den Hügel hinab fahren und dann schafft er es auf der linken Seite nach oben. Der Weg öffnet sich wieder und wir kommen dran. Ganz links und mit dem richtigen Tempo schaffen wir es auf Anhieb.

Wir kommen in eine andere Klimazone. Das Wetter wird trockener, die Sonne kommt heraus und nun verwandelt sich die Strecke zur Staubpiste. Die entgegenkommenden LKW – Fahrer fahren teilweise so schnell und gefährlich knapp an uns vorbei, dass wir fast touchieren. Auch die Überholvorgänge gleichen einem Risikospiel.

Plötzlich sehe ich im Waldstreifen neben der Straße etwas Orangenes. „Da ist ein orangener Vogel, schnell halt an!!!“.

Eilig renne ich mit Andys Kamera zurück und entdecke einen Guyana Brüllaffe. Groß und fotogen steht er auf dem Ast, seinen langen Schwanz um einen Zweig gewickelt. Er schaut mich an und lässt sich gerne fotografieren. Tolles Erlebnis. Aras fliegen über unsere Köpfe hinweg und sogar mit Motorengeräusch sind sie zu hören,  eine Gruppe Jabirus tummeln sich auf der feuchten Wiese und schmausen und ein Weißschwanzbussard verweilt auf einem Baum am Straßenrand, er beäugt uns. Die Landschaft wechselt vom Feuchtgebiet zur Steppe, durch die Bewölkung ist es momentan angenehm. Auch die Wärme fühlt sich nun trockener an und ist für uns eine Wohltat. Die Piste allerdings ist auf ihrer ersten Hälfte grausam gelöchert, wir kommen nur zwischen 20 bis 30 km/h vorwärts. Nun kommt eine geschobene Piste mit vielen Kurven. Genau an so einer Stelle hat ein junger Bursche sein Auto aufs Dach gelegt. Sein Knie blutet und er steht unter Schock. Andere Einheimische stehen auch herum und sorgen für ihr Socialmedia- Material. Wir versorgen zuallererst seine Wunden, beruhigen ihn, geben ihm Wasser und bieten weitere Unterstützung an. Er hat schon Hilfe angefordert, sie ist unterwegs. Nachdem wir nichts mehr für ihn tun können und noch andere Einheimische mit ihm reden, verabschieden wir uns.

Der Guyana -Brüllaffe
Glück im Unglück!
Abendessen der Jabirus
„Schnell, ich will auch was abbekommen!“
Weißschwanzbussard
Steppenlandschaft

Folgendes stellen wir fest: Diese Piste kann mit der BR 319 mithalten. Die Strecke mit 450 km von Linden nach Lethem ist eine Schotter- und Erdstraße von sehr niedriger Straßenqualität. Bei Regen eben matschig und rutschig, bei Trockenheit sehr staubig. Auch eine Fährstelle über den Essequibo-Fluss von 500 Metern zählt dazu. Endlich kommen wir an der Grenzstadt Lethem an und sind froh das Abenteuer Rupununi Road mit einer ordentlichen Patina auf und unter der Emma bewältigt zu haben. Hier verabschieden wir uns von euch und wünschen euch einen guten Start ins Jahr 2026. Behaltet Zuversicht und Freude im neuen Jahr. Januar 2026 erfahrt ihr von unseren Erfahrungen in der Werkstatt. Kann man uns mit unserem seit 90.000km vorhandenen und ungelösten Elektro-Fehlermeldungsproblem helfen? Wird das Herz der Mini von family everywhere mit ihrer Zylinderkopfdichtung gerettet? Bleibt dran;)

Geschafft!!!
Emma mit Rupununi -Patina